Süddeutsche Zeitung

Ausschluss von Glaubensgemeinschaft:Tutu kritisiert Mandelas Trauerfeier scharf

Nelson Mandela wäre über seine eigene Trauerfeier entsetzt gewesen. Das zumindest glaubt der frühere Erzbischof Tutu. Vor allem der Ausschluss der Afrikaaner-Gemeinschaft sei die falsche Botschaft gewesen.

Der Friedensnobelpreisträger und frühere Erzbischof Desmond Tutu glaubt, dass Nelson Mandela über seine eigenen Begräbnisfeierlichkeiten entsetzt gewesen wäre. Der frühere Anglikanerprimas Südafrikas kritisiert laut dem britischen Sender BBC besonders den Ausschluss der weißen Afrikaaner-Gemeinschaft. Es wäre "eine inklusivere Botschaft" ausgesandt worden, sagte Tutu, "wenn die Veranstaltungsleiter der Gedenk- und Begräbnisfeier - sowohl nationale wie staatliche Ereignisse - nicht beide Male hohe Amtsträger der Regierungspartei gewesen wären."

Tutu selbst durfte nicht bei der Beisetzung im Heimatdorf seines einstigen Weggefährten dabei sein. "Soweit ich das sinnvoll tun kann, entschuldige ich mich bei unseren Schwestern und Brüdern der Afrikaaner-Gemeinschaft." Kritisch empfand Tutu außerdem die Abwesenheit der niederländisch-reformierten Kirche, den weitgehenden Verzicht auf die Sprache Afrikaans und die starke Präsenz der Regierungspartei ANC bei der Trauer- und Beisetzungsfeier.

Mandela war am 5. Dezember im Alter von 95 Jahren gestorben. Wie dieser war auch Desmond Tutu, 82, für seinen Kampf gegen die Apartheid mit dem Friedensnobelpreis bedacht worden. Während Mandela den Preis gemeinsam mit dem weißen Staatspräsidenten Frederik Willem de Klerk, 77, im Jahre 1993 entgegen nehmen durfte, erhielt Tutu die Auszeichneung 1984.

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