Süddeutsche Zeitung

Senatsbeschluss:Argentinien legalisiert Abtreibungen

Lesezeit: 2 min

Seit mehr als 30 Jahren kämpfen Anhänger der feministischen Bewegung in dem Land dafür. Nun stimmte der Senat für ein Gesetz, nach dem Schwangerschaften bis zur 14. Woche straffrei beendet werden können.

Nach jahrelanger politischer Auseinandersetzung hat der argentinische Senat in der Nacht zum Mittwoch einem Gesetz zugestimmt, das Abtreibungen legalisiert. Demnach können Schwangerschaften bis zur 14. Woche straffrei beendet werden. Die Kosten trägt das öffentliche Gesundheitssystem. Dem Gesetz stimmten nach einer zwölfstündigen Sitzung 38 Senatoren zu, 29 stimmten dagegen, es gab eine Enthaltung. Zuvor hatte das Unterhaus schon zugestimmt. Vor dem Kongress hatten sich Tausende Unterstützer des Gesetzes versammelt. Sie brachen nach der Abstimmung in Jubel aus.

Der Mitte-links-orientierte Präsident Alberto Ángel Fernández hatte das Gesetz vorangetrieben. Er löste damit ein Wahlversprechen ein. Vor zwei Jahren war sein Vorgänger Mauricio Macri mit einem fast identischen Gesetzesvorhaben im Kongress noch gescheitert. Fernández sagte, es gehe um den Schutz der Frauen. "Abtreibungen passieren, sie sind ein Fakt", sagte er. Die Gesellschaft müsse die Entscheidung der Frauen respektieren. Das Gesetz sei ein Beitrag zur öffentlichen Gesundheit. Bisher waren Abtreibungen nur nach Vergewaltigungen oder bei Gefahr für das Leben der Mutter erlaubt.

Bislang können Frauen in Argentinien, die eine Abtreibung machen lassen, und deren Helfer bestraft werden. Anhänger der feministischen Bewegung in Argentinien kämpfen seit mehr als 30 Jahren für das Recht auf Abtreibung. Der Entwurf erlaubt auch Abtreibungen nach der 14. Schwangerschaftswoche, wenn Vergewaltigung oder eine Gefahr für das Leben der Mutter vorliegt. Immer wieder gab es Fälle, in denen sich Ärzte weigerten, einen Schwangerschaftsabbruch trotz medizinischer Indikation vorzunehmen. Mit dem neuen Gesetz sind Ärzte nun verpflichtet, innerhalb eines Zeitraums von zehn Tagen die Abtreibung durchzuführen.

Laut Schätzungen werden in Argentinien pro Jahr zwischen 370 000 und 520 000 heimliche Abtreibungen vorgenommen. Mehr als 50 000 Frauen müssen behandelt werden, weil bei den Abbrüchen gepfuscht wird oder es zu Komplikationen kommt. Laut Amnesty International sind Komplikationen nach illegalen Abtreibungen die Hauptursache für Müttersterblichkeit in dem südamerikanischen Land.

Papst Franziskus warb für den Schutz des ungeborenen Lebens

Die katholische Kirche positionierte sich gegen das Abtreibungsgesetz. Der aus Argentinien stammende Papst Franziskus sandte eine Botschaft an das Land und warb für den Schutz des ungeborenen Lebens. "Der Sohn Gottes wurde als Ausgeschlossener geboren, um uns zu sagen, dass jeder ausgeschlossene Mensch ein Kind Gottes ist", schrieb der Argentinier am Dienstag auf Twitter. "Er kam in die Welt, wie ein Kind in die Welt kommt, schwach und zerbrechlich, sodass wir unsere Schwächen mit Zärtlichkeit aufnehmen können."

Argentinien ist das größte Land in Latein- und Südamerika, das Abtreibungen straffrei stellt. Nur auf Kuba, in Uruguay und Guyana sind Abtreibungen in den ersten Schwangerschaftswochen erlaubt. Andere Länder ermöglichen unter bestimmten Bedingungen wie Vergewaltigungen und bei Gefahr für das Leben der Mutter Unterbrechungen der Schwangerschaft. In El Salvador, Honduras, Nicaragua, Haiti und der Dominikanischen Republik steht jegliche Form von Abtreibung unter Strafe und wird mit hohen Gefängnisstrafen geahndet.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5161367
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/AP/epd/dpa/hij
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.