Süddeutsche Zeitung

Aktuelles Lexikon:Militärischer Gruß

Bei Soldaten selbstverständlich, bei Zivilisten geht es oft schief.

Von Josef Kelnberger

Ein Soldat muss, um innere und äußere Disziplin einzuüben, erst einmal lernen, vorschriftsmäßig zu stehen, zu marschieren, zu salutieren. "Der militärische Gruß erfolgt in straffer Haltung", so steht das in der Formaldienstordnung der Bundeswehr. Die Anweisungen gehen ins Detail: rechte Hand, Finger aneinanderliegend, Daumen angelegt, so muss die Spitze des Mittelfingers dicht über der Schläfe an den Kopf oder an die Kopfbedeckung geführt werden. Handrücken nach oben, Hand und Unterarm auf einer Geraden, Ellenbogen auf Schulterhöhe. Sucht man nach Ursprüngen des militärischen Grußes, wird häufig auf Ritter verwiesen, die ihr Visier hochklappen. Die Vorschriften für das Salutieren unterscheiden sich von Land zu Land. In der polnischen Armee pflegt man den Zwei-Finger-Gruß mit Zeige- und Mittelfinger - in deutschen Kasernen hielte man das für eine Provokation. US-Soldaten empörten sich, als Präsident Barack Obama, ihr Oberbefehlshaber, mit Kaffeebecher in der Hand salutierte. Wenn Zivilisten militärisch grüßen, geht das häufig schief. Die türkischen Fußballnationalspieler lösen nun Empörung aus, weil sie Erfolge salutierend feiern, um Solidarität mit den Soldaten zu bekunden, die in Syrien einmarschiert sind - eine unangemessene Vermengung von Sport und Krieg.

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Quelle:
SZ vom 18.10.2019
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