Süddeutsche Zeitung

Wuppertal:Fremdes Kind vor fahrende Lok gezogen - Mann muss in Psychiatrie

  • Ein Mann schnappte sich im April am Hauptbahnhof in Wuppertal einen fremden Jungen und sprang mit ihm vor eine einfahrende S-Bahn. Beide überlebten die Tat.
  • Das Wuppertaler Landgericht hat nun entschieden, den 23-Jährigen in einer Psychiatrie unterzubringen.
  • Das Gericht begründet seine Entscheidung damit, dass von dem Mann eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe.

Weil er einen fremden Jungen von dessen Eltern losriss und mit ihm vor einen fahrenden Zug sprang, wird ein 24-Jähriger in die Psychiatrie eingewiesen. Es sei völlig klar, dass "eine Gemeingefährlichkeit auf unabsehbare Zeit" vorliege, begründete das Landgericht Wuppertal sein Urteil. "Hier sitzt ein psychiatrisch äußerst schwer kranker Mann", so der Richter weiter. ""Ein möglicher Behandlungserfolg steht in den Sternen."

Der fünf-jährige Junge hatte Mitte April diesen Jahres mit seiner Familie im Berufsverkehr am Wuppertaler Bahnhof gewartet, als der Mann ihn urplötzlich ergriff. Der Zug überrollte die beiden trotz Notbremsung und kam über ihnen zum Stehen. Der Anklage zufolge war es allein dem glücklichen Zufall und der schnellen Reaktion des Lokführers zu verdanken, dass der Junge nur leichte Kopfverletzungen erlitt. Wenn der Zug etwas weiter gefahren wäre, hätte ein tieferliegendes Teil Kind und Mann treffen und töten können.

Die Staatsanwaltschaft warf dem psychisch kranken Mann nun vor, er habe "heimtückisch einen Menschen" töten wollen. Der Prozess hatte am Dienstag begonnen. Die Anklage lautete auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

23-jähriger Angeklagte soll schizophren sein

Der 23-jährige Angeklagte gestand die Tat vor Gericht. Es stimme, was in der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft stehe, sagte er. Bei dem Beschuldigten wurde eine Schizophrenie festgestellt.

Ein Gutachter hatte vor Gericht zudem berichtet, der Mann, der immer wieder Stimmen und einen Geist gehört haben will, habe ein Opfer bringen wollen. Das Kind sollte demnach "Ersatz für ein Lamm sein". Dies sei ein wesentlicher Antrieb für die Tat gewesen. Der 23-Jährige hatte im Prozess allerdings bestritten, sich so geäußert zu haben. Während der Verhandlung wirkte er verängstigt und verwirrt. Im Prozess hatte er sich immer wieder widersprochen und keine Einsicht für die Tat gezeigt. Eine Behandlung lehnte er ab.

Die Familie des Jungen leide weiter unter den Folgen der Tat, so der Richter. Am ersten Prozesstag hatte die Mutter des Jungen ausgesagt. Weil sie zu aufgelöst war, musste ihre Befragung aber vorzeitig abgebrochen werden. Der Junge werde von Spezialisten behandelt.

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