Süddeutsche Zeitung

US-Westküste:Dutzende Tote und viele Vermisste bei Waldbränden

Die Behörden befürchten offenbar noch viel mehr Todesopfer. Zehntausende Menschen sind allein in Oregon auf der Flucht, wo die Feuer besonders schlimm wüten.

Bei den verheerenden Waldbränden an der Westküste der USA sind Behördenangeben zufolge bisher 31 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten davon in Kalifornien und Oregon. Die Behörden befürchten offenbar, das die Zahl noch weiter steigen werde.

Der Rauch, der sich an der Pazifikküste ausbreitete, stellte für Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner eine Gesundheitsgefahr dar. Von manchen Siedlungen waren nur noch verkohlte Trümmer übrig. Zehntausende Menschen waren allein in Oregon, wo die Feuer Behörden zufolge besonders schlimm wüten, auf der Flucht vor den Flammen. Dutzende Menschen galten dort als vermisst.

Waldbrände lodern in einem Dutzend Staaten im Westen der USA, darunter in Kalifornien, Oregon, Utah, Wyoming, Arizona, Colorado oder Idaho, wie die Bundesbehörde National Interagency Fire Center mitteilte. Fast 28 000 Feuerwehrleute und andere Einsatzkräfte kämpften in der Region gegen die Flammen. Auch mehr als 200 Soldaten halfen im Kampf gegen einen der Brandherde in Kalifornien mit. Die Luftqualität erreichte Ärzten zufolge im Westen ein gesundheitsschädliches Niveau, berichtete CNN. Dies könne Menschen empfänglicher für das Coronavirus machen, hieß es.

40 000 Anwohner mussten in Oregon ihre Häuser verlassen

Allein 20 Tote bestätigte die kalifornische Feuerbehörde Cal Fire am Freitag auf ihrer Webseite. Fünf weitere Tote gab es laut USA Today im nördlichen Nachbarstaat Oregon und einen in Washington. In Oregon verhielten sich zahlreiche große Feuer "extrem", einige von ihnen breiteten sich auf großen Flächen aus, hieß es auf der Webseite von National Interagency Fire Center weiter.

In dem Bundesstaat hätten 40 000 Anwohner ihre Häuser verlassen müssen, teilte die Gouverneurin von Oregon, Kate Brown, mit. 500 000 Menschen seien angewiesen worden, sich auf mögliche Evakuierungen vorzubereiten. Mehr als 4000 Quadratkilometer Land stehen Browns Angaben zufolge in Flammen.

Das ganze Ausmaß der Zerstörung sei noch nicht bekannt, sagte Andrew Phelps von der Behörde für Katastrophenschutz. Es würden viele Todesopfer befürchtet, fügte er hinzu. In Oregon kämpfen Feuerwehrleute derzeit gegen 16 größere Brände an. Nach einer Hitzewelle mit starken Winden herrscht nun kühleres Wetter mit abflauenden Winden. Das helfe bei den Löscharbeiten.

"Wir befinden uns in einer Klimakrise"

In dem südlich an Oregon grenzenden Bundesstaat Kalifornien waren am Freitag etwa 15 000 Feuerwehrleute gegen 28 größere Feuer im Einsatz. In einer Brandzone im Bezirk Butte County knapp 300 Kilometer nördlich von San Francisco waren am Freitagabend noch 19 Menschen als vermisst gemeldet. Die Zahl der Toten könnte noch ansteigen. Die schwelenden Überreste seien vielerorts noch zu heiß, um die Gebiete gründlich abzusuchen, sagte ein Polizeibeamter.

"Wir befinden uns in einer Klimakrise", erklärte der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom bei einem Ortsbesuch in den ausgebrannten Wäldern bei Oroville. Viele Wissenschaftler hätten diese Entwicklung schon vor Jahren vorausgesagt. Der Demokrat forderte zum verstärkten Kampf gegen den Klimawandel auf.

Nach Einschätzung von Experten verschärft der Klimawandel Trockenheit, Hitze und Wetterextreme, die zu heftigeren Waldbränden beitragen. 100 große Brände, die derzeit im Westen der USA wüten, hätten bereits mehr als 4,5 Millionen Acres (mehr als 18 210 Quadratkilometer) verbrannt, schreibt das National Interagency Fire Center. Ein Großteil davon betrifft Kalifornien. Dort brannte in diesem Jahr bereits eine Rekordfläche von mehr als 12 700 Quadratkilometern Land ab. Schon jetzt zählen sechs der derzeitigen Brände zu den 20 größten in der Geschichte Kaliforniens seit Beginn der Aufzeichnungen um 1930.

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