Süddeutsche Zeitung

Kampagne in britischen Apotheken:Musik statt Medikamente

Robbie gegen Migräne: Musik hilft manchen Patienten gegen chronische Schmerzen, hat die Umfrage einer britischen Apothekenkette ergeben. In mehreren Filialen werden Betroffenen daher in Zukunft auch Lieder empfohlen. Doch die Apotheken-Charts dürften nicht den Geschmack eines jeden treffen.

Zehn Millionen Briten leiden nach Aussagen der British Pain Society an chronischen Schmerzen. Doch es gibt Hoffnung: Wie die Apothekenkette Lloyds Pharmacy jetzt in einer Umfrage unter 1500 Betroffenen herausgefunden hat, fühlen sich 40 Prozent besser, wenn sie ihre Lieblingslieder hören. Laut der Erhebung ziehen die meisten Popmusik vor, dicht gefolgt von klassischer Musik und Rock- oder Indie-Songs.

Doch nicht nur was die Musikrichtung angeht, auch bei konkreten Liedern gibt es eindeutige Favoriten. So entspannen die meisten Befragte bei Schmerzen am besten zu "Bridge Over Troubled Water" von Simon & Garfunkel, "Angels" von Robbie Williams und "Albatross" von Fleetwood Mac, berichtet die britische Tageszeitung Telegraph. Vor allem diese Pop-Songs sollen jetzt in einigen Filialen der Apothekenkette gegen Schmerzen empfohlen werden. Auf ihrer Facebook-Seite hat das Unternehmen ihre Top Fünf zur Entspannung bei Schmerzen schon verlinkt.

Musik statt Medikamente - ein durchaus nachvollziehbarer Ansatz, zumal der Körper dadurch weniger belastet wird. Doch taugen die Top Drei der britischen Apotheken-Charts wirklich als Rezept für Millionen Menschen, die an Rückenschmerzen, Migräne oder Gelenkentzündungen leiden?

Das darf angezweifelt werden. Sicher, vielen hilft es, sich mit ihrer Lieblingsmusik von den Schmerzen abzulenken. Doch sollte wohl jeder für sich entscheiden, welche Melodien helfen. Denn was für den einen Musik ist, ist für den anderen Lärmbelästigung. Und die fördert den Schmerz bisweilen mehr, als ihn zu lindern.

Eine Dosis Robbie Williams

Musikgeschmäcker sind genauso individuell wie Schmerzen. Nicht jeder möchte seine Schmerztabletten gegen Titel von Simon & Garfunkel eintauschen. Und wer Migräne hat und nicht auf britischen Kuschel-Pop steht, leidet nach einer Herzschmerz-Schnulze von Robbie Williams wahrscheinlich noch mehr als vorher. Da ist sich auch Guardian-Autor Tim Jonze sicher, der schreibt, dass Titel wie "Angels" von Robbie Williams bei ihm chronische Schmerzen nicht beheben, sondern erst recht erzeugen würden.

Letzten Endes ist es also eine nette (PR-)Idee, Schmerzen mit Musik zu bekämpfen - und es ist zu hoffen, dass Robbie Williams und seine Kollegen auf diese Weise vielen Menschen helfen können. Doch die Auswahl der Songs sollten die Apotheken doch besser jedem selbst überlassen.

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