Süddeutsche Zeitung

Trier:Ermittlungen im Todesfall Tanja Gräff eingestellt

  • Tanja Gräff verschwand am 7. Juni 2007 nach einem Sommerfest an der Fachhochschule Trier.
  • Acht Jahre später fanden Waldarbeiter ihre sterblichen Überreste.

Zehn Jahre nach dem Tod der Studentin Tanja Gräff hat die Staatsanwaltschaft Trier die Ermittlungen wegen eines möglichen Verbrechens eingestellt. Der tödliche Sturz der damals 21-Jährigen sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" ein Unfall gewesen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am Mittwoch. "Es ist aus unserer Sicht alles ausermittelt worden." Und doch bleiben Unklarheiten.

Tanja Gräff verschwand am 7. Juni 2007 nach einem Sommerfest an der Fachhochschule Trier. Die Polizei hatte nach der Studentin mit Hubschraubern gesucht, Drohnen und Wärmebildkameras. 60 Ermittlungsbeamte, die "SoKo FH", gingen zunächst von einer Straftat aus. Eine ganze Stadt war in Aufruhr, es kamen 2136 Hinweise aus der Bevölkerung.

Die Hochschule thront über der Mosel auf einem roten Felsen. Am Fuße des Felsens schnitten im Mai 2015 Waldarbeiter Sträucher und Hecken zurück. Sie fanden: eine Uhr, kleine Likörflaschen, ein Handy. Einen Schädel, Knochen. Sie fanden die sterblichen Überreste von Tanja Gräff, acht Jahre nachdem sie verschwunden ist.

Die Ermittlungen liefen wieder an. Ist sie womöglich gestoßen worden? "Es gibt keine Anhaltspunkte, dass eine Gewalteinwirkung von dritter Hand stattgefunden haben könnte", hieß es aus der Rechtsmedizin. Also ein tragischer Unfall? Die Staatsanwaltschaft geht davon aus. Sie hätten keine Anzeichen für ein Fremdeinwirken gefunden, etwa eine Handgreiflichkeit. Es gebe auch keine Anzeichen für ein Sexualdelikt. Denn auch wenn ein Teil der Kleidung verrottet war: Die Unterwäsche sei "geordnet" gewesen, Gürtel und Reißverschluss geschlossen.

Sie wollte in die Stadt, das hatte sie Freunden am Telefon gesagt

Ungeklärt bleibt trotzdem: Welchen Weg hat Tanja Gräff genommen? Wieso stand sie überhaupt am Felsvorsprung, der mit einem Metallzaun gesichert ist, damit eben niemand stürzt? Wie ist es zum Absturz gekommen?

Für Detlef Böhm, den Anwalt der Mutter, sind das einige Unklarheiten zu viel. Dass die Ermittlungen eingestellt worden sind, nannte er am Mittwoch "bedauerlich und nicht nachvollziehbar". Es gebe Hinweise, denen nicht nachgegangen worden sei. Wer ist etwa die Person, die in der Tatnacht mit dem Handy von Tanja Gräff telefoniert hat, kurz bevor die stürzte? Wieso hätte sie, zumal allein, auf diesem Felsvorsprung gehen sollen?

Sie wollte doch in die Stadt, das hatte sie zumindest zu Freunden am Telefon gesagt. Und auch eine mögliche Vortat, sagte Böhn, könne nicht ausgeschlossen werden, nur weil sie am Skelett nicht mehr nachgewiesen werden kann. Und deshalb könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass Tanja Gräff doch Opfer eines Verbrechens wurde, sagte Böhm. Der Mutter, die ihr einziges Kind verlor, falle es so noch schwerer, "einen Schlussstrich zu ziehen".

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SZ vom 29.06.2017/dit
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