Süddeutsche Zeitung

Stilkritik:Boxerpose

US-Präsident Donald Trump twittert eine Fotomontage von seinem Kopf auf dem muskulösen Körper von Rocky Balboa. Die Häme ließ nicht lange auf sich warten. Vielleicht aber war Trumps Tweet eine Erinnerung an eine bessere Zeit.

Von David Pfeifer

Donald Trump hat ein Bild auf Twitter geteilt, das seinen Kopf auf dem Körper eines Boxers zeigt. Das ist erst mal nicht ungewöhnlich, der Wahlkampf ist in den USA schon auf Touren, wenn er denn je aufgehört hat, zwischendurch. Und Politiker greifen gerne in die Mottenkiste der Box-Metaphern. Da wird mit harten Bandagen gekämpft, tief geschlagen und von Schwergewichten gesprochen. Nun ist dieses Bild aber auch eine Form der Selbstverletzung, denn wenn man sich Trump ohne Oberbekleidung vorstellt, sieht er gewiss nicht so aus wie auf dieser Darstellung. So durchtrainiert war Trumps Oberkörper vermutlich nicht einmal mit 35 Jahren, also in dem Alter, in dem Sylvester Stallone war, als dieses Bild von seinem Körper entstand. Die Vorlage für die Montage ist ein Promo-Foto für den dritten Teil der "Rocky"-Saga von 1982.

Die Häme ließ nicht lange auf sich warten. Unter dem Tweet sammelten sich Montagen, die Trumps Kopf auf dem Körper von Jabba the Hutt zeigten, dem schwerleibigen und rachsüchtigen Gläubiger von Han Solo aus "Die Rückkehr der Jedi-Ritter". Da Donald Trump bekanntermaßen nicht so hart im Nehmen ist - um zu den Box-Metaphern zurückzukommen - hätte er diese Treffer vermeiden und das Bild lieber nicht posten sollen. Oder sich zuvor in die Form bringen, die Sylvester Stallone bis heute hält. Die beiden sind vom Alter her nur einen Monat auseinander, und Stallone sollte immerhin mal so etwas wie Kulturminister unter Trump werden. Warum auch nicht? Jabba the Hutt hätte dann ja das Justizministerium übernehmen können.

Vielleicht aber wollte Trump sich gar nicht als Boxer zeigen, auch nicht als Boxerdarsteller. Vielleicht hatte er nur Sehnsucht nach 1982, als er gerade den Trump Tower baute, berühmt wurde und bei Box-Veranstaltungen in Las Vegas mit Ivana am Ring saß. Er hatte noch viel vor sich und nicht das meiste schon erreicht, und trotzdem nie genügend Anerkennung bekommen. Vielleicht war der Tweet eine Erinnerung an eine Zeit, als Donald Trump noch Hoffnung hatte.

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Quelle:
SZ vom 29.11.2019
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