Süddeutsche Zeitung

Schiffsunglücke vor Lampedusa und Libyen:Dutzende Flüchtlinge ertrunken

Vor der italienischen Insel Lampedusa ist ein Boot mit Hunderten Flüchtlingen gesunken, mindestens 14 Menschen sind ertrunken. Bereits am Vortag waren vor der Küste Libyens 40 Flüchtige auf dem Weg nach Europa gestorben. Die Zahlen der Opfer steigen möglicherweise weiter.

Im März hatte die italienische Marine in nur vier Tagen mehr als 4000 Menschen gerettet, die in überfüllten und oft kaum seetüchtigen Booten versucht hatten, nach Sizilien zu kommen. Doch südlich der italienischen Insel Lampedusa ist nun wieder ein Boot mit Hunderten Flüchtlingen gesunken. Rettungskräfte seien auf dem Weg in das Seegebiet, teilten die italienischen Behörden am Montag mit. Nach Angaben der Marine waren wahrscheinlich 200 Menschen in dem Boot. Es könnten aber auch doppelt so viele gewesen sein, hieß es in Berichten einiger italienischer Medien.

Am Vortag war bekannt geworden, dass vor der Küste Libyens mindestens 40 Menschen bei dem Versuch ertrunken sind, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Ein Boot mit den aus Ländern südlich der Sahara stammenden Flüchtlingen sei etwa 60 Kilometer vor der Küste gesunken, sagte ein Sprecher des libyschen Innenministeriums.

Überfüllte und oft kaum seetüchtige Boote

Libyen ist wegen seiner durchlässigen Grenzen zu den Subsahara-Staaten und wegen seiner Nähe zu Italien und Malta ein zentrales Durchgangsland für Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen oder wegen politischer Verfolgung illegal nach Europa gelangen wollen. Viele der Flüchtlinge müssen hohe Summen an Schlepperbanden zahlen, die die Überfahrt organisieren.

Wegen des milden Wetters und der chaotischen Lage in Libyen stieg die Zahl der Flüchtlinge in diesem Frühling sprunghaft an. Der libysche Übergangsinnenminister Saleh Mazek warnte, sein Land werde illegalen Einwanderern den Transit nach Europa "erleichtern", sollte die EU Libyen nicht im Umgang mit dem Flüchtlingsansturm unterstützen.

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