Süddeutsche Zeitung

Tod von Kobe Bryant:Pilot wollte kurz vor dem Absturz an Höhe gewinnen

  • Experten der US-Transportbehörde NTSB haben nach dem Absturz des Hubschraubers mit Kobe Bryant an Bord erste Erkenntnisse mitgeteilt.
  • Demnach habe der Pilot kurz vor dem Crash gefunkt, er wolle an Höhe gewinnen, womöglich um Wolken aus dem Weg zu gehen.
  • Flugschreiber hatte der Helikopter keinen an Bord, bis ein Ergebnis der Untersuchung feststeht, könnten Monate vergehen.

Der Pilot des Hubschraubers von Basketballsuperstar Kobe Bryant hat vor dem Absturz offenbar versucht, durch einen Aufstieg aus dichten Wolken zu entkommen. In seiner letzten Funknachricht habe er Fluglotsen mitgeteilt, er steige wegen der Wolken auf, sagte eine Unfallermittlerin der US-Transportbehörde NTSB.

Die 41-jährige NBA-Legende Bryant und seine 13 Jahre alte Tochter Gianna waren am Sonntagmorgen mit sieben weiteren Menschen bei dem Helikopterabsturz nahe Los Angeles ums Leben gekommen. Bryant galt als einer der besten Basketballspieler seiner Generation. Seine 20 Jahre umspannende Karriere verbrachte er beim Traditionsverein Los Angeles Lakers, mit dem er fünf Meisterschaften gewann.

Radardaten zeigten, dass der Helikopter eine Höhe von 701 Metern erreichte, bevor er abstürzte, wie Jennifer Homendy von der US-amerikanischen Transportbehörde am Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz sagte. Ermittler suchten am Unfallort nach Beweisen. "Es sieht fürchterlich aus", sagte Homendy. "Das Trümmerfeld ist ziemlich ausgedehnt". So sei ein Stück vom Heck des Helikopters auf einem Hügel gefunden worden, der Rumpf sei auf der anderen Seite des Hügels und der Rotor mehr als 90 Meter weiter hinten gelandet. Bei den Unfallermittlungen werde alles von der Laufbahn des Piloten bis hin zum Triebwerk in den Blick genommen.

Kein Flugschreiber an Bord

Auf Erkenntnisse eines Flugschreibers, wie ihn Flugzeuge meist mit sich führen, dürfen die Ermittler dabei nicht hoffen. Homendy zufolge besaß der Hubschrauber des Typs Sikorsky S-76B keine derartige Blackbox, diese seien für solche Helikopter nicht vorgeschrieben. Sie sei trotzdem zuversichtlich die Unfallursache herauszufinden. "Wir schauen uns den Piloten, die Maschine und die Umweltbedingungen an - und davon ist das Wetter nur ein kleiner Teil", sagte Homendy. Bis es ein Ergebnis der Untersuchungen gibt, dürften Monate vergehen.

Der Pilot war Medienberichten zufolge mit einer Sondererlaubnis unterwegs, die es ihm erlaubte, unter sich verschlechternden Wetterbedingungen zu fliegen. Eine Bedingung dieser Sondererlaubnis sei es jedoch, dass sich Piloten von Wolken fernhalten. Wenn sie trotzdem durch Wolken fliegen wollen, dann müssen sie einen Fluglotsen um Freigabe bitten.

Später habe der Pilot Fluglotsen um Radarunterstützung für eine Flugüberwachung ersucht, doch sei dies abgelehnt worden. Dafür fliege die Maschine zu niedrig, habe das Personal erklärt, sagte Homendy.

Etwa vier Minuten später habe der Pilot per Funk mitgeteilt, dass er höher aufsteige, um dichte Wolkenfelder zu umfliegen. Als die Lotsen dann fragten, was der Pilot vorhabe, habe es keine Antwort gegeben, ergänzte Homendy. Radardaten deuten an, dass der Hubschrauber eine Höhe von 701 Metern erreichte, dann aber nach links absackte. Letzter Radarkontakt sei gegen 9.45 Uhr (Ortszeit) erfolgt. Zwei Minuten später rief jemand am Boden den Notruf, um den Absturz zu melden.

Einem Flugsicherheitsexperten zufolge könnte der Pilot in den Wolken die Orientierung verloren haben, als er den Hubschrauber aufwärts steuerte und seine vorgesehene Route verließ. Die scharfe Kurve und der darauf folgende steile Absturz des Helikopters sei vergleichbar mit anderen Fällen, in denen das passiert sei, sagte der Experte der Agentur Bloomberg.

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