Süddeutsche Zeitung

Amoklauf in Kanada:Schütze tötet mindestens 16 Menschen nahe Halifax

  • Bei einem Amoklauf in einer kanadischen Kleinstadt wurden mindestens 16 Menschen und der mutmaßliche Schütze getötet.
  • Die Tat ereignete sich an verschiedenen Orten in Portapique in der Provinz Nova Scotia und dauerte zwölf Stunden.
  • Unter den Opfern ist auch eine Polizistin.

In der Nacht zum Sonntag gingen erste Notrufe bei der Royal Canadian Mounted Police ein. Anrufer berichteten von einem bewaffneten Angreifer in der Ortschaft Portapique, rund 130 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Halifax. In einem Haus und auf dem umliegenden Grundstück entdeckte die Polizei dann mehrere Leichen, auf umliegenden Grundstücken gelegte Feuer - und vom Täter keine Spur.

Chief Superintendent Chris Leatherr sprach von einer "chaotischen" Szene. "Als die Polizei eintraf, fanden die Beamten mehrere Verletzte innerhalb und außerhalb des Hauses", so Leather weiter. Insgesamt soll die Tat zwölf Stunden gedauert haben. Das ganze Ausmaß dessen, was in der kanadischen Kleinstadt passierte, sei noch nicht abzusehen. Leather befürchtete, es könne weitere Opfer geben.

Fest stehe: Nach langer Verfolgungsjagd stellte die Polizei an einer Tankstelle im Ort Enfield einen 51-jährigen Tatverdächtigen, der sich auf seiner Flucht über mehr als 100 Kilometer auch als Polizist ausgegeben hatte. Er habe Polizeiuniform getragen und sei mit einem Fahrzeug unterwegs gewesen, das einem Streifenwagen glich. Der Mann wurde an der Tankstelle getötet, sagte Kanadas oberste Polizeichefin Brenda Lucki. Beim Sender CBC war am Abend von mindestens 19 Toten einschließlich des Tatverdächtigen die rede. Und auch das ist somit klar: Es ist die schlimmste derartige Bluttat in der Geschichte Kanadas.

Premierminister Justin Trudeau sprach von einem Akt "wahnwitziger Gewalt". Trudeau teilte mit: "In Momenten wie diesen kommen wir als Land zusammen, um uns gegenseitig zu unterstützen. Zusammen werden wir mit den Familien dieser Opfer trauern und ihnen helfen, durch diese schwierige Zeit zu kommen."

Zum Motiv des Schützen machten die Ermittler zunächst keine Angaben. Leather zufolge deute viel darauf hin, dass der Mann das Blutbad plante und dabei auch Menschen tötete, die er nicht kannte. Die Polizei glaubt, der 51-Jährige habe seine ersten Opfer möglicherweise gezielt, andere dann jedoch zufällig angegriffen.

Unter den Opfern ist auch eine Polizistin mit 23 Dienstjahren. "Zwei Kinder haben ihre Mutter verloren. Ein Ehemann hat seine Frau verloren. Eltern haben ihre Tochter verloren, und unzählige andere haben eine fantastische Freundin und Kollegin verloren", hieß es von der Polizei. Der Premier von Nova Scotia, Stephen McNeil, sprach von "einer der sinnlosesten Gewalttaten in der Geschichte unserer Provinz" und einer zusätzlichen "Belastung" in Zeiten des Coronavirus.

Die kanadische Zeitung National Post zitiert Tom Taggart, einen lokalen Stadtrat, der die Gegend um Portapique beschrieb als "Waldabschnitte, in denen die Menschen hektargroße Flächen Land" an einer Bucht zum Atlantik besitzen. Im Winter lebten dort etwa 60 bis 100 Einwohner. Viele von ihnen reisten zwischen der Gemeinde und anderen Residenzen in Nova Scotia hin und her. Das Gebiet sei dafür bekannt, sicher zu sein. Dies sei einer der Gründe, warum man sich dort Land kaufe, sagte Taggart. Auch der mutmaßliche Schütze habe drei Immobilien dort besessen. Taggart habe ihn nicht persönlich gekannt, aber gelegentlich mit ihm telefoniert, wenn dieser sich mit kommunalen Anliegen meldete. Die Straßen seien dem 51-Jährigen beispielsweise zu uneben gewesen, Schneepflüge nicht rechtzeitig gekommen. Der zuvor blutigste Amoklauf in Kanada hatte sich 1989 ereignet, als ein 25-Jähriger an einer Hochschule in Montréal 14 Frauen erschoss und 13 weitere Menschen verletzte. Danach verschärfte Kanada seine Waffengesetze. Es ist seitdem illegal, eine unregistrierte Pistole oder Schnellfeuerwaffe zu besitzen. Außerdem wird streng überprüft, wer eine Waffe kaufen will.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4882132
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/dpa/Reuters/ap/fie/kler/afis/ick
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.