Süddeutsche Zeitung

Hilfe nach dem Erdbeben:Kommen Spenden für Nepal bei den Menschen an?

Nach dem Erdbeben haben es internationale Hilfsorganisationen in Nepal schwer. Die Verkehrswege und die lokale Verwaltung haben Mängel, von Korruption ist die Rede. Ist Geben trotzdem besser als Nichtstun?

Von Matthias Drobinski

Kommt die Spende für die Erdbebenopfer in Nepal bei den Menschen dort an? Bei einem Hilfswerk mit dem Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) kann man weitgehend sicher sein, dass diese Organisation das Geld nicht zweckentfremdet und dass sie versucht, den Verletzten, Obdachlosen und Traumatisierten zu helfen.

Das allerdings ist in Nepal schwierig. Das Land ist gebirgig und arm, es gibt nur einen großen Flughafen und wenige Straßen, es fehlt an Hubschraubern. Viele Hilfswerke beklagen zudem, dass die verbreitete Korruption die Hilfe behindert. Nepalesische Grenzer verlangen Zoll für Hilfslieferungen, die finanzielle Unterstützung soll über den Katastrophenfonds des Premierministers abgewickelt werden.

Wer helfen will, sollte genau hinschauen

Doch auch die Hilfswerke sind nicht unschuldig an den Schwierigkeiten. Viele setzen auf die schnelle Katastrophenhilfe in den ersten Tagen nach einem Unglück - dann sind auch die Kamerateams an den Orten des Schreckens, und Fernsehbilder bringen Spendengeld. Die Konkurrenz der Wohltäter führte dazu, dass sich die Katastrophenhelfer gegenseitig blockierten und Rettungstrupps in Regionen ausrückten, in denen es keine Menschen zu retten gab, aber Lebensmittel und Zelte fehlten. Für eine langfristige Hilfe fehlt dann das Geld.

Wer Menschen in Not helfen will, sollte also genau hinschauen. Organisationen wie Terre des hommes, SOS-Kinderdorf oder Caritas International arbeiten in Nepal seit Jahren mit lokalen Partnern zusammen, die wissen, was wann wie gebraucht wird. Das verringert die Korruption, das verhindert auch, dass die Menschen nach einem halben Jahr alleine gelassen werden. Lohnt es sich, für Nepal zu spenden? Erst 6,5 Prozent des Geldes sind beisammen, das sie für die Nepal-Hilfe braucht, sagt die UN-Katastrophenhilfe Ocha. Da ist Geben allemal besser als Nichtstun.

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SZ vom 09.05.2015/fued
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