Süddeutsche Zeitung

Vermisstenfall in den USA:Behörden suchen nach Gabby Petitos Freund

Das junge Paar war gemeinsam zu einem Roadtrip durch die USA aufgebrochen, zurück kam nur der 23-Jährige. Jetzt ist auch er verschwunden.

Von Elisa Britzelmeier

Seit mehr als einer Woche ist Gabby Petito verschwunden. Die Behörden suchen nach der 22-jährigen US-Amerikanerin, die mit ihrem Freund durchs Land unterwegs war. Ein Roadtrip in einem umgebauten Van, begleitet von zahlreichen Fotos auf Instagram. Von der Reise kehrte allerdings nur der Partner zurück. Und schwieg. Kein Wort über seine vermisste Freundin, kein Wort zu dem Polizeieinsatz auf ihrer gemeinsamen Reise. Nun nimmt der mysteriöse Fall eine neue Wende - denn auch nach dem 23-Jährigen wird gesucht.

Einsatzkräfte der Polizei und des FBI durchsuchten am Wochenende das Carlton-Reservat, ein Naturschutzgebiet in Florida. Auf Twitter bat die Polizei von North Port um Hinweise. Brian L. sei am Dienstag zuletzt von seiner Familie gesehen worden. Warum diese den jungen Mann erst am Freitag als vermisst meldete, blieb offen.

"Er versteckt sich"

Die Suche nach seiner Freundin Gabby Petito treibt das ganze Land um. Am 1. September war L. laut Polizei alleine zurück nach Hause gekehrt, zehn Tage später meldeten Petitos Eltern ihre Tochter als vermisst.

Petitos Familie warf dem 23-Jährigen nun vor, sich zu verstecken. "Brian wird nicht vermisst, er versteckt sich", zitierte der Sender CNN einen Anwalt der Familie. Zuvor hatten sowohl L. als auch seine Familie sich geweigert, mit den Ermittlungsbehörden zu sprechen. Am Freitag dann riefen L.s Eltern die Polizei in das Haus, in dem sie mit L. und Petito zusammenlebten. Die Familie glaube, der Mann sei Anfang der Woche in das weitläufige Naturschutzgebiet gefahren, schrieb die Polizei auf Twitter. Außerdem teilten die Beamten mit, es gebe irreführende Berichte über einen angeblichen Leichenfund in dem durchsuchten Gebiet - diese seien unwahr.

L. gilt in dem Fall laut Polizei nicht als Verdächtiger, aber als "person of interest", ein eher vager Begriff, der von den Behörden oft für Personen benutzt wird, die irgendwie mit einem Verbrechen zu tun haben könnten.

Mitte August war es während der Reise des Paares zu einem Polizeieinsatz gekommen. Die beiden stritten. In Moab, Utah, wurden sie von der Polizei aufgehalten, weil sie zu schnell gefahren waren und mit dem Van einen Bordstein gestreift hatten. Die Beamten notierten, dass das Paar "in irgendeiner Art von Auseinandersetzung verwickelt war". Auf den Aufnahmen der Körperkamera sind beide zu sehen. Petito gab an, unter psychischen Problemen zu leiden und ihren Freund bei dem Streit geschlagen zu haben. Die Polizisten verzichteten auf eine Anzeige, forderten das Paar aber auf, die Nacht getrennt zu verbringen. Man habe den Vorfall eher als eine psychische Krise gewertet als einen häuslichen Übergriff, hieß es von Polizisten später.

Das FBI konzentriert sich unterdessen darauf, Gabby Petito zu finden. Dabei steht besonders der Grand-Teton-Nationalpark im Fokus. Als Petitos Familie das letzte Mal mit ihr Kontakt hatte, soll sie sich dort aufgehalten haben. Die Beamten untersuchen das Gelände im Bereich eines Campingplatzes. "Das Gebiet ist für die Öffentlichkeit gesperrt und wird es auch bleiben, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind", hieß es. Wer sich in der Zeit vom 27. bis 30. August dort aufgehalten und Gabby, ihren Freund oder ihr Fahrzeug gesehen habe, solle sich beim FBI melden.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5414676
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/dpa/sekr
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.