Süddeutsche Zeitung

Kriminalität:Fritz von Weizsäcker erstochen: 57-Jähriger wegen Mordes vor Gericht

Im November wurde der Chefarzt der Berliner Schlosspark-Klinik am Ende eines Vortrages von einem Zuschauer mit einem Messer getötet. Im Berliner Mordprozess wird es vor allem um die Schuldfähigkeit des Angeklagten gehen.

Von Verena Mayer, Berlin

Berlin - Auf der Homepage der Schlosspark-Klinik erinnert noch immer ein Foto an Fritz von Weizsäcker. Das Krankenhaus in Berlin-Charlottenburg war der Ort, an dem der Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker seit 2005 als Chefarzt der Inneren Medizin tätig war. Die Klinik war auch der Ort, an dem er starb. Am Abend des 19. November wurde Fritz von Weizsäcker nach einem Vortrag über Lebererkrankungen von einem Besucher mit einem Messer attackiert und getötet. Er wurde 59 Jahre alt.

Am Dienstag beginnt in Berlin nun der Prozess gegen einen 57-Jährigen aus Süddeutschland. Der Mann muss sich wegen Mordes verantworten. Er soll die Tat seit Langem geplant haben und zum Vortrag des Professors mit dem Zug aus Koblenz angereist sein. Von dort soll er auch die Tatwaffe mitgebracht haben. Der Berliner Staatsanwaltschaft zufolge handelte der Mann aus Hass auf die Familie von Weizsäcker, insbesondere auf den Vater des Chefarztes, den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Der 57-Jährige konnte noch am Tatort überwältigt werden - von einem Polizisten, der privat bei der Veranstaltung war. Der Beamte wurde schwer verletzt, als er dem Angreifer das Messer aus der Hand schlagen wollte. Wie die Gewerkschaft der Polizei mitteilte, hat er noch immer mit den Folgen zu kämpfen. Seine Verletzungen seien bis heute nicht verheilt.

Der Angeklagte, der zuletzt als Packer in einem Logistikzentrum gearbeitet hat, hat die Tat bei der Polizei gestanden. In der Hauptverhandlung wird es nun vor allem darum gehen, ob der Mann schuldfähig ist. Derzeit ist er im Krankenhaus des Maßregelvollzugs untergebracht. Laut Anklage soll er im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt haben.

Der Tod des Chefarztes hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem "entsetzlichen Schlag für die Familie".

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