Süddeutsche Zeitung

Diskussion um Bild für die Queen:"Das hat eine ganz starke Symbolik"

Als Geschenk überreicht der Bundespräsident der Queen ein Gemälde. Die erkennt ihren Vater darauf nicht und wundert sich über das blaue Pferd. Nun lästert die britische Presse und die Künstlerin verteidigt ihr Bild.

Die Queen: "Das ist eine seltsame Farbe für ein Pferd. Und das soll mein Vater sein?" Prinz Philip: "Hast du ihn nicht erkannt?" Die Queen: "Nein, nicht richtig." Das Gemälde, das Bundespräsident Joachim Gauck der Königin von England als Gastgeschenk überreicht hat, wird in Großbritannien derzeit leidenschaftlich diskutiert. Gemalt hat es Nicole Leidenfrost, 41, aus Wedel bei Hamburg.

Frau Leidenfrost, wie kamen Sie zu dem Auftrag?

Mehrere Künstler, die beim Bundespräsidialamt gelistet sind, hatten Vorschläge für das Gastgeschenk eingereicht. Meiner wurde genommen.

Bundespräsident Gauck sagte zur Queen: "Wenn Sie's nicht mögen, nehmen Sie das Marzipan." Marzipan aus Lübeck war ja auch ein Gastgeschenk. Finden Sie, dass der Bundespräsident die heikle Situation gut aufgefangen hat?

Wenn man sich ein bisschen mit Rhetorik und nonverbaler Kommunikation auskennt, sah man: Das war eine sehr herzliche Situation. Vollkommen ohne Stress. Was die britische Presse jetzt da draus macht, das ist reine Politik.

Der "Guardian " nennt die Überreichung "misslich", der " Telegraph " bezeichnet Ihr Gesamtwerk als "grauenvolle Mischung aus verlogen-naiver Pinselführung und kommerzialisierter Glätte". Muss man sich da Sorgen machen?

Also ich bin total entspannt. Dahinter steht ja eher grundsätzliche Polemik in Richtung Deutschland. Das hat mit meinem Bild, das ich nach einer Fotovorlage aus den 1930ern schuf, gar nichts zu tun.

Und warum ist das Pferd nun blau?

Das hat eine ganz starke Symbolik. Denken Sie an Franz Marc oder den Begriff "Königsblau". Es ist eine royale Farbe.

Aber irgendwie blöd, dass die Queen auch ihren Vater nicht erkannt hat.

Sie hat ja auch nur sehr kurz drauf geschaut. Sie hat gelacht und sich gefreut. Und genau das war mein Ziel.

Ein britischer Kommentator schrieb: Ein echter Baselitz wäre wohl angemessener gewesen, hätte der Queen aber sicher noch weniger gefallen.

Baselitz ist eine ganz andere Preisklasse. Hätte man der Queen einen Baselitz überreicht, so hätten wahrscheinlich alle gefragt, warum man ihr ein Bild schenkt, das falsch rum hängt. Wie Baselitz halt so malt.

Das Gastgeschenk der Queen war auch kein William Turner: Zwei Kerzenleuchter für Frau Schadt und die "Briefe eines Verstorbenen" von Hermann Fürst von Pückler-Muskau für Gauck.

Das möchte ich gar nicht beurteilen. Für mich war die ganze Angelegenheit jedenfalls eine sehr, sehr große Ehre. Ich bin ja schon seit 20 Jahren im Geschäft, die Sammlung Würth hat bereits eine ganze Reihe meiner Werke gekauft. Und, sagen Sie, wann bitte hat Deutschland zum letzten Mal so intensiv über Kunst diskutiert? Ich habe unglaublich nette Reaktionen bekommen! Natürlich gibt's auch Neid. Aber Mitleid gibt's umsonst, Neid muss man sich erarbeiten. Unzufrieden bin ich jedenfalls nicht mit der ganzen Sache.

Und wo mag Ihr Bild jetzt landen?

Vielleicht taucht es in ein paar Jahren ja bei einer Wohltätigkeitsversteigerung auf. Aber gut. Ein Verfallsdatum hat eh nur das Marzipan.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.2537344
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 26.06.2015/jana
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.