Süddeutsche Zeitung

Trendsport in Tölz:Boulderhalle wird deutlich teurer

Die Kosten für den Bau auf der Tölzer Flinthöhe steigen um 30 Prozent auf mehr als 1,5 Millionen Euro. Das liegt vor allem an den ausgelasteten Handwerksbetrieben. Die Stadt will sich die Sportstätte trotzdem leisten

Der Bau der Boulderhalle auf der Flinthöhe kommt die Stadt Bad Tölz erheblich teurer als erwartet. Die Kosten von ursprünglich 1,2 Millionen Euro steigen nach den jüngsten Schätzungen um rund 30 Prozent. Als Grund nannte Stadtbaumeister Hannes Strunz im städtischen Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend vor allem die konjunkturelle Lage. Die Handwerksbetriebe sind voll ausgelastet, weshalb nur sehr wenige, dafür sehr kostspielige Angebote eingingen. Außerdem war wegen des problematischen Untergrunds auf der Flinthöhe ein Bodengutachten erforderlich. Die meisten Stadträte hielten dennoch an dem Neubau fest. "Das ist eine wichtige Einrichtung für die Sportstadt Bad Tölz", betonte Kämmerer Hermann Forster.

Die Boulderhalle soll neben dem Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins (DAV) entstehen und 17 mal 26 Meter groß sein. Drinnen sind Kletterwände mit einer Absprunghöhe von 4,50 Metern vorgesehen, außerdem Zuschauerplätze. Mit dem Kletterzentrum soll die Halle über einen Glasgang im ersten Stock verbunden werden. Anfang 2018 beschloss der Stadtrat, den Neubau für 1,2 Millionen Euro zu übernehmen. Für den Innenausbau zahlt der Trägerverein DAV Kletterzentrum Oberbayern rund 350 000 Euro. Die Kosten für die Stadt erhöhten sich allerdings schon zu Beginn des Jahres um 25 000 Euro, weil die alte Heizung in der Kletterhalle grundlegend saniert werden muss.

Strunz listet eine Reihe von Gewerken auf, die erhebliche Mehrausgaben verursachen. Für die Baumeisterarbeiten reichten zwei von sieben Firmen ein Angebot ein - plus 50 000 Euro. Für den Stahlbau beteiligten sich 21 Unternehmen an der Ausschreibung, zwei reichten ein Angebot ein - plus 55 000 Euro. Für Sanitärarbeiten meldete sich keiner der sechs eingeladenen Betriebe, für die Heizungsarbeiten nur einer von elf - plus 80 000 Euro. Und für die Elektroarbeiten bekam der Stadt eine Antwort von zwei der insgesamt neun Firmen - plus 60 000 Euro.

Eine große Unwägbarkeit ist auch der Boden des Kasernengevierts, das die Nationalsozialisten einst als SS-Junkerschule errichtet hatten. "Das Erdreich ist alles andere als unbelastet, da gibt es viele Verunreinigungen", sagte Strunz. Die Stadt gab deshalb ein 40 000 Euro teures Bodengutachten in Auftrag. Die Probebohrungen fanden neben den fünf Garagen statt, die noch auf dem Areal für die Boulderhalle standen. Das Ergebnis: Für die Statik der Halle müssten 28 Magerbetonbrunnen mit je zwei Metern Durchmesser und zehn Einzel-, respektive Streifenfundamenten in den Boden getrieben werden. Die Aushubarbeiten wären demzufolge viel umfangreicher. Mehrkosten: rund 65 000 Euro. Allerdings stellte sich nach dem Abbruch der Garagen und dem Wegschieben der oberen Bodenschicht heraus, dass die Baugrund viel besser ist als im Gutachten beschrieben. Das spart circa 40 000 Euro ein.

Ob dieses Kostenjonglierens platzte Anton Mayer (CSU) der Kragen. "Die Zahlen gehen rauf und runter, einmal hinrum, einmal herum", schimpfte der Stadtrat, der 2018 gegen den Bau der Halle durch die Stadt gestimmt hatte. Solche Angaben seien nicht verwendbar. Ein privater Bauherr müsse zu Beginn der Arbeiten seine fixen Kosten wissen. "Wenn ich da nachfinanzieren muss, bin ich ein armer Hund, aber bei der Stadt ist das völlig wurscht," kritisierte Mayer. Auch Christof Botzenhart (CSU) zeigte sich verärgert über den Kostensprung, gab sich aber versöhnlich. Die Berichterstattung und die Gründe dieser Entwicklung müsse man auseinander halten, sagte er. "Ich bin sehr froh, dass Herr Strunz detailliert berichtet."

Andreas Wiedemann (FWG) wies einen Teil der Schuld dem beauftragten Ingenieurbüro zu. Dessen Kostenansätze seien offenbar "sehr reduziert", monierte er. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Elektriker 90 Prozent mehr kostet." Dem widersprach Kämmerer Forster entschieden. Das Büro könne seine Kostenschätzung ja nur auf den Preisen erarbeiten, die zu diesem Zeitpunkt aktuell seien, erwiderte er. Franz Mayer-Schwendner (Grüne) mochte der Stadt hingegen keinen Vorwurf machen. Die Boulderhalle sei immerhin "eine Infrastruktur-Einrichtung, die wir uns leisten wollen".

Damit die Ausgaben nicht ganz aus dem Ruder laufen, will Bürgermeister Josef Janker (CSU) den Zeitplan strecken. Damit, so hofft er, bekomme die Stadt "die Chance, dass wir vernünftigere Preise kriegen". Die Ausschreibung für die Elektroarbeiten hat er erst einmal aufgehoben, die Sanitärarbeiten sollen um einen Monat verschoben werden. Trotz der konjunkturellen Lage zweifelt auch Janker an manchen Angeboten von Handwerksfirmen: "Eine Steigerungsrate von 80 Prozent innerhalb eines Jahres, das passt nicht zusammen."

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SZ vom 18.07.2019
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