Süddeutsche Zeitung

Lenggries:Baggern am Brauneck

In Lengries wird in luftiger Höhe gerade die neue Schrödelsteinbahn gebaut. Schon im Oktober soll diese den Probebetrieb aufnehmen. Skifahrer kommen künftig schneller und komfortabler nach oben.

Die Zufahrt ist das Nadelöhr: Etwa drei Kilometer lang schlängelt sich der gekieste Forstweg südlich von Wegscheid den Berg hinauf. An den steilsten Stellen reicht das Gefälle an die 20 Prozent. Das müssen die Lasterfahrer mit ihren bis zu 12,5 Tonnen schweren Gefährten erst einmal bis hinauf zum Finstermünzkessel am Brauneck überwinden.

Auf der Strecke wirbeln die schwergewichtigen Fahrzeuge mit ihrer Masse an einem warmen, trockenen Sommertag viel Staub auf. Doch darüber kann sich Hans Gerg auf der Baustelle für die neue Schrödelsteinbahn derzeit sogar freuen. Denn das heißt für den Betriebsleiter der Brauneck-Bergbahn, dass es keinen Niederschlag gibt. Wenn es regnet oder schneit wie besonders oft noch im Mai, geht am Berg nichts mehr. Die Bauarbeiten müssen dann vollständig gestoppt werden. Zu matschig würde der aufgegrabene Untergrund, um noch sicher arbeiten zu können, sagt Gerg. "Eine Woche sind wir schon hintennach", berichtet er. "Aber mit so etwas muss man rechnen." Im Moment mache er sich jedenfalls keine Sorgen, dass sich dadurch die Fertigstellung des Lifts verzögere.

Am Berg sind derzeit um die 15 Arbeiter beschäftigt. Für den Bau der Talstation des neuen Lifts wurde ein grauer Kran mit beweglichen Lenkachsen hinaufgeschafft. Bis dorthin transportieren Laster alle benötigten Materialien. Weiter führt eine etwa 700 Meter lange Materialseilbahn, um etwa die tonnenschweren Fundamente der Liftstützen nach oben zu hieven.

Wo später die Talstation stehen soll, gähnt derzeit nur ein sechs Meter tiefes Loch. 5000 bis 6000 Kubikmeter Erde seien bislang bewegt worden, schätzt der Bergbahnbetriebsleiter. "Der Aushub wird zwischengelagert und wieder verfüllt."

Schäden in der Natur werden so weit wie möglich begrenzt

Die Betonarbeiten für die Talstation haben vor gut zwei Wochen begonnen. Das fertige Gebäude soll später 28 mal 35 Meter groß werden. Im etwas weiter ausragenden Keller entstehen eine Garage für bis zu vier Pistenraupen und Betriebsräume. Acht Wochen lang werden die Betonarbeiten an der Talstation dauern, schätzt Gerg. Danach werde die Baugrube wieder verfüllt. So passe sich das Gebäude besser an das Gelände an. Bei der Bergstation kann dagegen erst am 1. Juli mit den Bauarbeiten begonnen werden. Zum Schutz der Raufußhühner ist das nicht früher erlaubt.

Oberhalb der Liftstation sind schon einzelne der tonnenschweren Fundamente für die Liftstützen in den Hang versenkt. Für die restlichen Stützen stellen derzeit die Eisenbinder ein Geflecht aus stählernen Armierungen her, das die Bauteile stabiler macht. Schalungsbauer fertigen Gussformen an, in die der frische Beton verfüllt wird. Laut Gerg wiegt allein der Baustahl für das größte Fundament etwa vier Tonnen.

Zehn Liftstützen wird die Schrödelsteinbahn laut Gerg später haben. Um die Schäden für die Natur zu minimieren, werde der Humus an den Standpunkten der Fundamente abgetragen und der Boden nach dem Einbau wieder mit den Rasensoden abgedeckt.

Mit Hilfe der Materialseilbahn kommen die Bauteile und Fundamente zielsicher an den späteren Standort . Die Anlage schafft eine Spitzenlast von fünf Tonnen, wie Gerg erklärt. Grundsätzlich hätte es auch die Möglichkeit gegeben, einen Hubschrauber für den Transport der Baumaterialien einzusetzen. Doch die Bergbahn-Gesellschaft habe sich dagegen entschieden, sagt der Betriebsleiter. "Mit der Materialseilbahn sind wir weniger wetterabhängig." Für die Bauleitung hat die Brauneck-Bergbahn das Unternehmen Geo Alpinbau aus dem österreichischen Tirol gewinnen können. Die Firma ist auf Projekte in den Bergen spezialisiert, hat auch schon die neue Eibsee-Seilbahn zur Zugspitze realisiert.

Die neue Bahn ist für Anfänger und Kinder gut geeignet

Jetzt wartet Betriebsleiter Gerg auf die erste Juliwoche. Dann sollen die Liftstützen für die Sechsersesselbahn des Unternehmens Leitner aus Sterzing in Südtirol eintreffen. Neun Millionen Euro soll das ganze Projekt kosten. Dafür kommen die Gäste nun wesentlich schneller auf den Berg als früher. Statt 650 Personen wie im alten Lift schafft die neue Bahn 2400 Menschen pro Stunde nach oben. Eine Sitzheizung und ein Förderband soll es ebenfalls geben. Letzteres mache es für Anfänger und Kinder, von denen es am Brauneck viele gebe, einfacher, in den Lift zu steigen. Deshalb habe sich die Bergbahn dafür entschieden, sagt Gerg.

Gehen die Bauarbeiten nach Plan, soll der neue Lift im Oktober laufen. Dann folge die TÜV-Abnahme und der Probebetrieb. Um die hohen Investitionskosten wieder zu erwirtschaften, wird die Bergbahn GmbH aber noch wesentlich länger brauchen. "Das dauert 20 bis 25 Jahre", sagt Gerg.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4494294
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 22.06.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.