Süddeutsche Zeitung

Aus dem Tölzer Finanzausschuss:Mehr Geld für die Caritas

Stadt verteilt Zuschüsse aus Stiftungen und Nachlässen

Wenn es langsam auf Weihnachten zugeht, verteilt die Stadt alle Jahre wieder Geld an soziale Organisationen. Die Zuschüsse stammen aus vier Stiftungen und Erbschaften: dem Greiner-Nachlass, dem Liquidationserlös des ehemaligen Rothmund'schen Unterstützungsvereins, der Carl Uhlmann'schen Friedensstiftung und dem Vermächtnis Maria Much. Die Spenden werden seit Jahren nach festen Regularien verteilt. Neu ist heuer jedoch, dass die Caritas für ihre Kontaktstelle "Alt & Selbständig" eine Förderung von 30 000 Euro bekommt, das sind 10 000 Euro mehr als bislang. Der Grund sei, dass diese Caritas-Einrichtung in den vergangenen acht Jahren unter anderem von einer Erbschaft gelebt habe, die nunmehr aufgebraucht sei, erklärte Stadtkämmerer Hermann Forster. Gegen die Erhöhung hatten die Stadträte am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss nichts einzuwenden.

Die Kontaktstelle, die im Franziskuszentrum angesiedelt ist, dient als Begegnungsstätte für alte Menschen. "Es sind viele Hilfen, die hier zusammenlaufen", sagte Forster. Zudem fänden dort auch pflegende Angehörige fachlichen Rat. Derzeit arbeiten 67 ehrenamtliche Kräfte für "Alt & Selbständig". Aber ihr Einsatz müsse koordiniert und betreut werden, "das ist ein Riesenaufwand", sagte der Kämmerer. Hinzu kommt nach seinen Angaben, dass im kirchlichen Sektor weniger Zuschüsse fließen, "an allen Ecken und Enden wird gespart". Für die Stadt könnten sich die höheren Fördermittel durchaus einmal auszahlen, wenn auf dem Areal des Alten- und Pflegeheims Josefistift eine Art Seniorenzentrum entsteht. Die Caritas-Kontaktstelle habe ihr Interesse bereits bekundet, "das wäre nicht so blöd", sagte Forster. Unter den Stadträten gab es darob keinen Diskurs. "Das ist auf jeden Fall sinnvoll, diese Arbeit ist enorm wichtig für Bad Tölz", meinte Ulrike Bomhard (FWG), Seniorenbeauftragte des Stadtrats.

Das Geld kommt aus dem Erlös des ehemaligen Rothmund'schen Unterstützungsvereins. Dabei handelt es sich vorwiegend um Pachteinnahmen aus dem Luitpoldheim. Neben der Caritas profitieren von dem mit 61 600 Euro gefüllten Fördertopf die Tölzer Sing- und Musikschule mit 10 000 Euro, die Obdachlosenunterkunft Haus Jakobus (4000 Euro), das Familienpflegewerk (3400 Euro), die Lebenshilfe Bad Tölz (3300 Euro), die Ehe-, Partnerschafts- und Familienberatung München (1500 Euro). Außerdem fließen 2500 Euro in die Mittagsspeisung bedürftiger Tölzer und 1800 Euro in Jugendprojekte des Bundes Naturschutz.

Etliche Millionen und das Kulturhaus am Schlossplatz, das die Volkshochschule beherbergt, hat einst das Ehepaar Greiner der Stadt Bad Tölz hinterlassen. Der Kapitalstock betrug Ende 2018 noch gut 4,6 Millionen Euro. Schon seit Jahren versucht die Stadt, das Vermögen wieder auf die ursprünglichen fünf Millionen Euro aufzustocken, scheitert damit allerdings an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Insgesamt betragen die Erlöse aus dem Nachlass rund 69 000 Euro. Davon erhält die Caritas 34 000 Euro für die Obdachlosenbetreuung, 24 800 Euro gehen an die Tölzer Sing- und Musikschule Bad Tölz. 10 000 Euro bekommt das Mehrgenerationenhaus des Roten Kreuzes.

Aus der Carl Uhlmann'schen Friedensstiftung für bedürftige Kinder in Bad Tölz kommen heuer 52 150 Euro zusammen. Diese Summe stammt aus den Einnahmen der Häuser Gudrunstaße 1 und 3. Davon gehen 23 100 Euro an die Tölzer Coaches und Familienpaten, der Rest fließt in die Mittagsbetreuung an den drei Grundschulen, teils an die Arbeiterwohlfahrt, teils in die Ganztagsklassen. Den Zuschuss für die Tölzer Coaches bezeichnete Franz Mayer-Schwendner (Grüne) als "nicht so arg viel". Der Bedarf für ihre Arbeit sei durchaus da, erwiderte Kämmerer Hermann Forster. Allerdings haben manche Schüler ein große Scheu, sich als bedürftig zu outen, wie Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart (CSU) erzählte. "Sie tun oft alles, um nicht ruchbar werden zu lassen, dass sie sich nichts leisten können." Sie könnten zu ihren Lehrkräften gehen, meinte Bürgermeister Josef Janker (CSU). "Das muss ja nicht groß an die Anschlagtafel, man muss sich nur rühren."

Aus dem Vermächtnis Maria Much - dem Etagenbesitz in der Marktstraße 66 - gehen schließlich 4600 Euro an die Sing- und Musikschule.

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Quelle:
SZ vom 17.10.2019
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