Süddeutsche Zeitung

Nahverkehr:Arbeiten an Tram-Westtangente beginnen mit Baumfällungen

Die Kosten der neuen Trasse im Münchner Westen steigen von 411 auf 490 Millionen Euro. Hunderte Bäume müssen dafür offenbar weichen, die ersten elf in dieser Woche. Die CSU fordert einen Baustopp.

Von Andreas Schubert

Seit September liegt die Genehmigung für den ersten Bauabschnitt der Tram-Westtangente vor, diese Woche werden zwischen Romanplatz und Gaßnerstraße elf Bäume gefällt, von denen fünf unter die Baumschutzverordnung fallen. Sie werden durch Neupflanzungen ersetzt. Im Umfeld der Trasse befinden sich mehr als 3700 Bäume. Knapp 90 Prozent können laut Stadtwerke erhalten werden. Etwa 370 müssen nach dieser Rechnung jedoch weichen.

Die CSU/FW-Stadtratsfraktion fordert per Dringlichkeitsantrag indes einen Baustopp, und zwar so lange, bis ein Förderbescheid von Bund und Freistaat vorliegt. "Insbesondere ist dabei auf das Fällen von Bäumen zu verzichten", schreibt die Fraktion.

Die Christsozialen waren von Beginn an keine Freunde des Großprojekts. Dessen Gesamtkosten wurden 2022 noch auf 411 Millionen Euro beziffert. Nun gibt die städtische "Task Force ÖPNV" 490 Millionen Euro an. Deshalb, so der Antrag der CSU, solle die Verwaltung aufzeigen, ob die Förderfähigkeit überhaupt erhalten bleibt. Der für die Zuschüsse entscheidende Nutzen-Kosten-Faktor lag bei 1,74, erforderlich ist ein Wert von 1,0. Dass er darunter rutscht, hält zum Beispiel Nikolaus Gradl (SPD), Verkehrsexperte und Befürworter der Tram, für unwahrscheinlich.

Der Förderbescheid wird im vierten Quartal 2024 erwartet. Inzwischen liegt ein neuer Ablaufplan vor: Bis Dezember 2025 sollen zwischen Agnes-Bernauer- und Ammerseestraße Trambahnen rollen. Bis Ende 2027 kommt der Abschnitt bis zum Ratzingerplatz dran, vorausgesetzt, dass die beiden Brückenneubauten an A96 und A95 fertig werden.

Die letzten beiden Abschnitte zwischen Romanplatz und Agnes-Bernauer-Straße sowie zwischen Ratzingerplatz und Aidenbachstraße sollen dann von Dezember 2028 an befahren werden. Hier gilt als Voraussetzung aber, dass die Bahn die Umweltverbundröhre an der Laimer Unterführung zur weiteren Bearbeitung übergibt und dass die Park-and-Ride-Anlage an der Aidenbachstraße fertig wird. Die Stadtwerke planen, diese in die Jahre gekommene Anlage neu zu bauen.

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