Süddeutsche Zeitung

Verkehr:Lärmgeplagte Inninger bekommen Geld für neue Fenster

Besserer Schallschutz wird mit bis zu 5000 Euro gefördert. Der schon lang geplante Ausbau der Ortsdurchfahrt verzögert sich um Jahre

Von Astrid Becker, Inning

Für die Sanierung der Ortsdurchfahrt in Inning waren schon viele Termine im Gespräch: Erst war von einem möglichen Beginn der Arbeiten an der viel befahrenen Straße im vergangenen Jahr die Rede, dann verschob sich alles auf heuer, doch jetzt gibt es eine weitere Verzögerung um mindestens drei Jahre. Wie das Staatliche Bauamt in Weilheim der SZ erklärte, könne frühestens im Jahr 2023 mit dem Inninger Projekt begonnen werden. Zuerst kommt nun die Sanierung der Tutzinger Ortsdurchfahrt an die Reihe. Um beide Projekte zeitgleich zu erledigen fehle das Geld, so das Bauamt.

Anlieger an der Inninger Ortsdurchfahrt dürften diese erneute Verschiebung um gleich mehrere Jahre wie einen Schlag ins Gesicht empfinden. Viele von ihnen hatten sich lange Zeit über das starke Verkehrsaufkommen auf der Straße geärgert, die sich von der Anschlussstelle der Lindauer Autobahn quer durch den ganzen Ort in Richtung Süden schlängelt, und sich teilweise massiv für den Bau einer Umgehungsstraße stark gemacht. Dieses Ansinnen haben aber die Inninger in zwei Bürgerentscheiden mehrheitlich abgelehnt. Als Alternative dafür war einerseits von der Sanierung der Straße und andererseits von Lärmschutzmaßnahmen die Rede.

Ein entsprechender Aktionsplan ist in Inning auch längst erarbeitet worden. Derzeit würden die Einwendungen dazu bearbeitet, sagt Bürgermeister Walter Bleimaier. Dann soll der Plan der Regierung von Oberbayern zur Genehmigung vorgelegt werden. Mithilfe des Lärmaktionsplans hofft die Gemeinde, auf ihrer Ortsdurchfahrt Tempo 30 durchsetzen zu können. Bisher gibt es eine Geschwindigkeitsreduzierung nur auf einem Teilstück, die auch nur nachts gilt. Doch Inning hat mittlerweile Anwälte damit beauftragt, sie dabei zu unterstützen, Tempo 30 überall durchzusetzen. Entsprechende Anträge waren immer wieder abgelehnt worden. Das aber, so auch der Rathauschef, könnte das Leiden der Anwohner mindern, ebenso wie der Einbau von Schallschutzfenstern, der nun gefördert werden soll.

Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung auf ein Stufenmodell verständigt: Dabei bekommt jeder Anlieger je nach individuell gemessener Lärmbelastung zwischen 3000 und 5000 Euro. Dies helfe mehr als "die Sanierung der Straße, auch wenn viele damit eine Verkehrsberuhigung verbinden, denn die wird es nicht geben", stellt Bleimaier klar. Die Straße werde lediglich "schöner aussehen, ein paar Querungshilfen mehr und ein Bushaltebuchten am Marktplatz haben."

Bleimaier ist trotz dieser Aussagen ein wenig enttäuscht, dass sich der Beginn der Arbeiten immer wieder verzögert, wenn-gleich es keine sonderlich große Überraschung für ihn ist: "Tutzing war einfach früher dran und daher in allen Punkten weiter als wir." Den Aussagen der zuständigen Abteilungsleiterin im Bauamt, Silke Schweigler, zufolge hatte Inning aber ohnehin nur eine eher zufällige Chance, früher an die Reihe zu kommen. In der Planung von Tutzing hatten sich demnach ein paar Unwägbarkeiten gezeigt, die dadurch entstandene Lücke sei mit dem Inninger Projekt gefüllt worden: "Wir haben an beidem weiter geplant, können aber nicht beides zeitgleich realisieren", sagt sie.

In Tutzing wird laut Schweigler nun mit zwei Bauabschnitten begonnen. Diese würden sich "auf jeden Fall" bis 2022 hinziehen. Ob gleich im Anschluss mit dem dort vorgesehenen dritten Bauabschnitt begonnen werde, stehe nicht fest, sagt sie. Die Konsequenzen daraus aber schon: Vor 2023 würden die Arbeiten in Inning wohl kaum starten. Möglicherweise, so sagt auch Bleimaier, dauere es noch länger: "Bis 2024." Alle Informationen dazu hat er nun im Gemeindeblatt und auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht. Dort ist noch von einem Konjunkturprogramm die Rede, wofür das Bauamt den ersten Bauabschnitt in Inning angemeldet habe. Große Hoffnungen darauf macht sich Bleimaier wohl aber nicht: "Das ist wohl eher unwahrscheinlich."

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SZ vom 05.06.2020
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