Süddeutsche Zeitung

Tutzing:In Kolonne auf die Baustelle

Da in Coronazeiten nur drei Arbeiter gemeinsam in einem Firmenwagen sitzen dürfen, werden beim Bau der Wohnanlage am Kallerbach jetzt mehr Fahrzeuge benötigt - und der Verband Wohnen muss zahlen.

Von Manuela Warkocz

Diese Extra-Kosten hatte der Verband Wohnen Starnberg nicht auf dem Schirm, als er sein derzeit größtes Neubauprojekt im Landkreis - fünf Mehrfamilienhäuser Am Kallerbach in Tutzing - kalkuliert hat: Weil Arbeiter, etwa von Dachdecker- und Spenglerfirmen, auf dem Weg zur Baustelle den gebührenden Sicherheitsabstand einhalten müssen, mieten Firmen zusätzliche Fahrzeuge an. Da sitzen jetzt zum Schutz vor Viren maximal drei Mann drin. "Die Firmen stellen uns das in Rechnung", erklärt der Technische Leiter des Verband Wohnen, Wolfgang Robl. 400 Euro zusätzlich - pro Tag! Den Bau einzustellen würde aber am Ende noch viel teurer kommen.

Daher freut man sich auf Bauherrenseite, dass man mit der Anlage im Zeitplan liegt und bald im Rohbau fertig ist. Teilweise ist die schwarze Wärmeverkleidung schon angebracht. Am Ende sollen die Fassaden eine unempfindliche, bereits ergraute Schalung aus Tannenholz bekommen. Lieferengpässe befürchtet Robl bei Material für den Ausbau. Das liege etwa bei Putz, Farben und Estrichen teilweise an der Produktion - es fehlten zum Beispiel einzelne Komponenten -, aber auch an logistischen Problemen. Robl weiß etwa von der internationaltätigen Firma Rohrdorfer, dass sie zwar Steine zur Zementproduktion habe, aber der Energieträger Kohle knapp werde. Nach gegenwärtigem Stand ist der Verband Wohnen trotzdem optimistisch, den Bezug der Anlage Am Kallerbach wie angekündigt im 3. Quartal 2021 halten zu können. Dann sollen im geförderten Wohnungsbau 70 weitere Wohnungen zur Verfügung stehen. Die Größen reichen von 50 Quadratmeter für zwei Zimmer bis zu 90 Quadratmeter für vier Zimmer. Die Preise bewegen sich je nach Förderbedarf der Mieter zwischen 5,50 und 9,50 Euro pro Quadratmeter. Günstige Mieten für das sonst meist hochpreisige Tutzing, und das samt Loggien mit Seeblick.

Das Belegungsrecht liegt bei der Gemeinde. Ein Teil der Wohnungen geht an Bewerber, die sich beim Landratsamt einen Wohnberechtigungsschein besorgen und ans Tutzinger Rathaus weiterleiten müssen. Aus drei Sozialwohnungsbauten am Tutzinger Schönmoosweg, die der Verband Wohnen neu baut, ziehen Bewohner vorübergehend an den Kallerbach. Einen Kriterienkatalog für die Belegung wird der neue Gemeinderat erstellen, kündigt Bürgermeisterin Marlene Greinwald an. Schon jetzt gibt es eine lange Warteliste.

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Quelle:
SZ vom 08.04.2020
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