Süddeutsche Zeitung

SZ-Adventskalender:Ein sicherer Ort für Frauen

Im Gilchinger Mutter-Kind-Haus werden Mütter nach schwierigen Trennungen betreut. Den Frauen fehlt das Geld für einen gemeinsamen Ausflug.

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Gilching

Oft harren Mütter mit Kindern oder Frauen, die hochschwanger sind, in einer unerträglichen Beziehung aus, weil sie sich existenziell bedroht sehen. Doch irgendwann sind sie am Ende ihrer Kräfte und wagen die Trennung. Das ist ein schwerer Schritt, weil viele Frauen kein Netzwerk haben und nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen. Unter dem Motto "Allein erziehend - aber nicht allein gelassen" hilft das Mutter-Kind-Haus in Gilching getrennt lebenden Müttern.

"Die Mütter sind in einer verlassenen Situation und oft verzweifelt", erklärt Jutta Uelner von der "Ökumenischen Hilfe" Gilching, dem Trägerverein der Einrichtung. "Sie haben keine Möglichkeit, jemanden anzurufen, der sie unterstützt." Im Mutter-Kind-Haus könnten sie wieder zu sich selbst finden. Seit der Gründung im Jahr 1996 hat die Einrichtung mit diesem einzigartigen Konzept 90 Frauen und 102 Kinder betreut. Das Mutter-Kind-Haus wird allein aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen der "Ökumenischen Hilfe" finanziert und ist die einzige Einrichtung dieser Art in den Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck. Daher ist man für jede Unterstützung dankbar, finanziell und durch ehrenamtliches Engagement.

Haben die betroffenen Mütter oft nach langem Leiden endlich die Trennung gewagt, stehen sie manchmal auf der Straße und wissen nicht wohin. Nach den Erfahrungen der Vereinsvorsitzenden Uelner wünschen sich die Frauen oft, einfach nur anzukommen, die Türe hinter sich schließen zu können und in Sicherheit zu sein. Das Mutter-Kind-Haus bietet dann eine vorübergehende Unterkunft in einer der sechs Wohnungen, die der Einrichtung zur Verfügung stehen. Doch so einfach ist das nicht. Nach Angaben der Einrichtungsleiterin Sabrina Scholoban kommen derzeit zehn Anfragen auf eine freie Wohnung. Dann müssten die sieben Vorstandsmitglieder des Vereins entscheiden, wer den Zuschlag bekomme. "Man möchte gerne mehr helfen, aber mehr ist einfach nicht drin", sagt Uelner.

Da die Betroffenen ängstlich, verunsichert und mutlos sind, bekommen sie neben der Bleibe für maximal zwei Jahre zusätzlich Unterstützung durch eine fachliche Begleitung. "Weil sie völlig verzweifelt sind, ist es gut, wenn man ihnen sagt, welche Möglichkeiten sie haben", erklärt Scholoban. Die Sozialpädagogin und systemische Therapeutin berät die Betroffenen alle zwei Wochen. Manchmal sei auch öfter ein Gespräch notwendig, insbesondere dann, wenn die Mütter neu angekommen sind. Da muss die Mutter beispielsweise mit dem Baby zum Arzt und weiß nicht, wo sie unterdessen die älteren Geschwister unterbringen soll. Oder eine Hochschwangere macht sich Sorgen, wer auf das ältere Kind aufpasst, wenn ihre Wehen einsetzen. Sogar das Einkaufen werde manchmal schwierig mit zwei Kleinkindern. Um diese Aufgaben zu organisieren, "ist oft sehr viel Kreativität gefragt". Manchmal begleitet Scholoban Mutter und Kind bei Bedarf auch zum Kinderarzt oder zur Schuldnerberatung. Zusammen mit der Leiterin sind drei Fachkräfte in der Einrichtung tätig.

Leih-Omas spielen mit den Kindern

Scholoban bekommt Unterstützung von einer Kinderkrankenschwester oder einer sogenannten Interaktionskraft, etwa einer Stillberaterin, die die Familien besucht. Sie könnten den Müttern besonders gut helfen, sagt Scholoban. Zumal die oft nicht wüssten, wie sie ihre Kinder beschäftigen und was sie mit ihnen spielen sollen. Daher werden immer wieder "Leih-Omas" gesucht, die die Kinder ehrenamtlich betreuen.

Manchmal wird auch das Jugendamt hinzugezogen oder bei Bedarf eine Beratung durch externe Fachleute organisiert. "Es ist wohltuend für die Mütter, wenn sie nicht allein sind", weiß Uelner nach langjähriger Erfahrung. Für die sechs Mütter ist der 14-tägige Erfahrungsaustausch in der Gruppe, während ihre insgesamt sieben Kinder betreut werden, ebenfalls bedeutungsvoll. Die Wohnungen liegen nicht weit auseinander, sodass sich die Mütter auch am Wochenende zwanglos im Haus treffen oder auch mal den Trockner im Bad benutzen können.

Häufig ist die finanzielle Not der Familien groß. Für kleine Extras, beispielsweise für Freizeitaktivitäten, reicht das Geld meist nicht. Daher möchte die Einrichtung gerne einen von Fachbetreuern begleiteten Ausflug zum Wildpark in Poing anbieten. Dort können sie Tiere beobachten und anschließend auf dem Spielplatz toben. "Es ist eine kleine Auszeit, damit die Mütter einmal etwas anderes erleben", erklärt Uelner. Die Mütter kommen mehrheitlich nicht weg, weil sie kein Auto haben und sich weder Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr, noch Eintritte leisten können. Der SZ-Adventskalender hat angeboten, die Kosten für den Ausflug zu übernehmen.

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