Süddeutsche Zeitung

Adventszeit:Vom Seeneptun bis zum Seifenkistenrennen

In der Region gibt es allerlei weihnachtliche Kuriositäten und launige Aktionen zum Mitmachen.

Von Yara van Kempen, Starnberg

Viele bereits etablierte Bräuche waren anfangs sicher auch Kuriositäten. Das Schmücken eines toten Baumes mit Glaskugeln zum Beispiel. Ab wann ist etwas Tradition? Und wie kurios darf es sein? Der Seeneptun der Wasserwacht Pilsensee hat gute Voraussetzungen, einen solchen Status zu erlangen. Schließlich steigt er an diesem Sonntag, den 10. Dezember, bereits zum 32. Mal aus dem Wasser.

Mit Dreizack, Taucherbrille, Neoprenanzug und Krone erscheint der Neptun dann um 17.45 Uhr aus der dunklen Tiefe des Sees und verteilt kleine Geschenke in Form von "Neptunspackerl" an die wartende Kinderschar. Erstmals in Erscheinung getreten ist der Neptun 1991. Es war die Idee des damaligen Vorsitzenden, der damit der Wasserwacht mehr Präsenz verleihen wollte, so Manuela Wunderl, stellvertretende Vorsitzende der Wasserwacht Pilsensee. Seither geht der Seeneptun immer am zweiten Adventswochenende an Land und erfreut die Kinder. In diesem Jahr findet die Veranstaltung wieder an der Wasserwachtstation auf dem Campingplatz Pilsensee statt. Es wird empfohlen, für Punsch und Glühwein eine eigene Tasse oder einen Becher mitzubringen.

Am selben Tag gibt es im Fünfseenland eine weitere, eher ungewöhnliche Weihnachts-Attraktion: die Christmas-Show der Einradabteilung des TSV Gilching-Argelsried. Einlass ist um 14.30 Uhr, die Show beginnt um 15 Uhr in der James-Krüss-Halle in Gilching. Daran teilnehmen werden 50 bis 60 Sportlerinnen und Sportler, so Andrea Varettoni, Schriftführerin der Einrad-Sparte. Zwei Stunden lang werden dem Publikum die Küren vorgeführt. Es werden vor allem jene sein, die die Sportler in der vergangenen Saison bei den Meisterschaften gezeigt haben, erläuert Varettoni.

Es ist die erste Weihnachtsshow seit Corona, die letzte fand 2019 statt. Die Einrad-Abteilung wurde im Oktober 1989 gegründet und hat derzeit über 100 aktive Mitglieder. Für den gemeinsamen Genuss von Plätzchen und Punsch wird auch hier um das Mitbringen von Geschirr gebeten.

Ein Adventskalender könnte übrigens auch mehr leisten, als Schokolade hinter Türchen zu verbergen. Ein Beispiel ist der Lebendige Adventskalender, der in Pöcking angeboten wird. Die "Stiftung für Pöcking" veranstaltet ihn heuer bereits zum 14. Mal. Das Prinzip: Jeden Abend in der Adventszeit trifft man sich ganz zwanglos im Freien bei wechselnden Gastgebern, die kleine Adventsfeiern mit Geschichten, Gedichten, Liedern und verschiedene Aktionen zelebrieren. Die Gastgeber sind ganz unterschiedlich: Privatpersonen, Familien, Cafés oder auch die Stiftung selbst.

An diesem Sonntag lädt die Stiftung Pöcking zum Tag der offenen Tür ein, der um 16 Uhr in der Feldafinger Straße 21 beginnt. Das Literaturcafé Waschhäusl ist am 15. Dezember von 18 Uhr an geöffnet. Eine Aktion, die wieder etwas ungewöhnlich daher kommt, ist das Mini-Seifenkistenrennen am 23. Dezember: Hier trifft sich die Nachbarschaft am Ahornweg 27 um 17 Uhr für ein Wettrennen. Den kompletten Lebendigen Adventskalender mit entsprechenden Informationen findet man hier.

Ebenfalls in Pöcking gibt es ein weiteres Weihnachtsschmankerl, das Kenner schätzen: das Lichterhaus in der Beccostraße. Nach einem Jahr Pause wegen der Energiekrise gehört das Projekt wieder zum Programm. Die Gruppe "Lichtergesindel" hat eine Photovoltaikanlage installiert, um die rund 70 000 Lichter zum Leuchten zu bringen. Neben dem Lichterglanz soll man auch einige Figuren - wie einen Schneeball werfenden Schneemann - zu Gesicht bekommen.

Und was machen die Herrschinger Weihnachtsschwimmer, die sich nicht vor Kälte fürchten? Sie springen seit etwa 20 Jahren unerschrocken vor Heiligabend ins Wasser. Um Punkt 12 Uhr mittags läutet eine Glocke und die rund 30 Teilnehmer stürzen sich in Badehose und Bikini ins kalte Nass. Jedes Jahr feuern etwa 70 Besucher die Schwimmer bei Glühwein, Würstchen und Plätzchen an.

Drei Freunde haben diese kuriose Weihnachtstradition einst aus einer spontanen Idee heraus ins Leben gerufen: Sie wollten ihre alten Neoprenanzüge ausprobieren. Doch weil das Anziehen zu umständlich war, sprangen sie einfach in Badehosen ins Wasser. Und wer weiß, vielleicht wird das Herrschinger Weihnachtsschwimmen auch noch anderswo zur Tradition.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.6316110
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/deu
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.