Süddeutsche Zeitung

Museum Starnberger See:Klare Linie

Leiter Benjamin Tillig will dem Haus ein Profil geben. In einer Vortragsreihe beschreiben Fachleute, wie die Zukunft der Einrichtung aussehen könnte

Von Leonard Frick, Starnberg

"Großartiger Reichtum." Benjamin Tillig gerät ins Schwärmen, wenn er über das Depot des Museums Starnberger See spricht. Er ist seit Mai 2019 der Leiter des Hauses, zurzeit will er einen Leitbildprozess für das Museum in Gang bringen. "Wir müssen schauen, wie wir mit dem Museum erzählen wollen", sagt Tillig. Was er damit meint: Die 1914 gegründete Institution sei "einfach so gewachsen", es fehle eine klare Linie, wohin es gehen soll. Um das zu ändern, hat der 38-Jährige nun Profis eingeladen, die bei dem Leitbildprozess mitwirken sollen. In der Vortragsreihe "Museum weiterdenken!" schildern die Berater ihre Sicht der Dinge.

So bekommt Tillig Unterstützung von Matthias Kammel, dem Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums. Kammel hält am Mittwoch, 22. April, einen Vortrag. Das Starnberger Museum hat viele Leihgaben des Nationalmuseums, und Kammel kennt sich aus mit bayerischer Geschichte, die Wahl war also naheliegend.

Ähnlich verhält es sich mit Monika Kania-Schütz, der Direktorin des Freilichtmuseums Glentleiten. Ihre Erfahrung mit historischen Gebäuden soll den Starnbergern mit ihrem 500 Jahre alten Lochmannhaus zugutekommen. Kania-Schütz tritt zusammen mit Roland Nachtigäller in einem Podiumsgespräch am Mittwoch, 27. Mai, in Starnberg auf. Nachtigäller leitet das Museum Marta Herford nahe Bielefeld. Er hat es geschafft, mehr Besucher anzulocken, als es Einwohner in Herford gibt.

Um den Wiedererkennungswert des Museums zu erhöhen, denkt Tillig auch übers Design nach. Dafür hat er den visuellen Gestalter Gerwin Schmidt engagiert, der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart unterrichtet. Schmidt entwirft Ausstellungsdesigns in der Alten Pinakothek in München. Er hält seinen Vortrag in Starnberg am Donnerstag, 7. Mai. "Ich kümmere mich noch nicht um Besucherzahlen", sagt Tillig, "erst müssen wir das Profil schärfen, mit inhaltlich tollen Ausstellungen". Natürlich, wer die Besucherzahlen hochschrauben will, könne auch ein paar kontroverse Gemälde aus einer Sammlung bestellen und auf kurzfristigen Effekt setzen. Aber Tillig will einen "nachhaltigen und stabilen Ort kreieren", "einen Ort zum Treffen, einen Ort für angenehme Zeit". Deswegen sind auch neben Vorträgen Konzerte geplant. Das Museumscafé bietet sich zum Entspannen an.

Der Chef des Hauses will von nun an zwei größere, halbjährige Ausstellungen zeigen. In der Präsentation "Schätze schauen" zeigt das Depot seine Raritäten (13. März bis 30. August). Im Spätherbst rückt dann der Nachthimmel in den Fokus. "Scheinwerfer. Menschheit unterm Sternenhimmel" ist von Donnerstag, 1. Oktober, an zu sehen. Schon König Ludwig II. soll am Starnberger See verträumt in die Sterne geschaut haben. Auch in der Fischerei und der Seefahrt waren Polaris und Orion essenziell für die Orientierung bei Nacht. Diese und weitere Themen werden in der Schau behandelt.

Neben den großen Ausstellungen soll es jedes Jahr eine kleinere geben. "Der Fall STA-06009. Das Mädchen aus Gips" ist der kryptische Titel des ersten Teils dieser Reihe. Mitarbeiter des Museum haben in detektivischer Recherche mehr über das Ausstellungsstück und seinen Bezug zur Region herausgefunden. Das Mädchen aus Gips kann man von Donnerstag, 28. Mai, an in Starnberg besuchen.

Benjamin Tillig hat also ein volles Programm für diese Saison. Er formuliert es so: "Das Leben weiß besser, was man will, als man selbst, aber alle Projekte sind in die Zukunft gerichtet."

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SZ vom 12.03.2020
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