Süddeutsche Zeitung

Münsing:Mit Nasenflöte und Stangerlbass

Lesezeit: 1 min

Ardhi Engl und Josef Brustmann zaubern in Münsing

Von Felicitas Amler, Münsing

Poesie und Musik kennen keine Tabus und können alles: Einen wunderbaren Donnerstagabend lang haben sie sogar die gute alte Erde durcheinandergebracht: Für diesen einen Abend lag das oberbayerische Dorf Münsing mitten zwischen Südmähren und Westsumatra. In diesem - selbstironisch so umspannten - Spektrum bewegen sich Josef Brustmann und Ardhi Engl textlich wie musikalisch.

Der bayerisch-indonesische (Stichwort "Westsumatra") Alles-Spieler Engl ist mit dem Wort fantastisch nur unzureichend beschrieben; seine Fantasie scheint eigentlich keine Grenze zu akzeptieren. Er bastelt sich Instrumente aus allem und jedem und holt dann auch noch auf virtuoseste Weise Musik daraus hervor: aus dem "Stangerlbass", der nur eine Saite auf einer übermannshohen Stange ist, oder aus der "Kleiderbügelharfe", die alles kann, nur keine Kleider bügelt (Original-Kalauer Ardhi Engl). Wenn ihm ein Mandolinenorchester fehlt, hält Engl einen kleinen Ventilator an die Saiten seiner Gitarre, und schon mandolint es drauflos, dass das Publikum seine helle Freude daran hat. Für seine Nasenflöte hat der Multiinstrumentalist sich eine nicht eben schönheitsförderliche Kopfbefestigung gebastelt, so dass er die Hände für die Gitarre frei hat. Kurz gesagt: Der Mann hat Talent und Humor.

Brustmann ist mit Zither und Gitarre dabei - und mit seinen "Prosagedichten", die mal ans Herz greifen und mal ans Zwerchfell. Die eigene Herkunft (Stichwort "Südmähren"), die Kindheit mit allen Freiheiten der Natur rund um Waldram bringt köstliche Zeilen wie diese über einen Lieblingstagesablauf hervor: "Schui. Hoam. Isar". Sentimentale Erinnerungen an die ersten Blue Jeans werden gebrochen, wenn die Mutter mit der alle Lässigkeit der Jugend ruinierenden Nachricht ins Spiel kommt: "Ich hab dir deine blauen Blue-Jeans-Hosen gebügelt." Und auch die Romantik einer toskanischen Nacht, in der vom Mond "Honiglicht tropft", hat ihre Fallhöhe: "Der große Wagen fährt mit Aufblendlicht."

Zusammen sind die beiden Künstler herlich witzig, albern und skurril, auch fetzig und krachert, vor allem aber hochmusikalisch. Was bleibt, ist, was der Titel des Abends versprach: "Liebe, Leben, Tod und Teufel".

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Quelle:
SZ vom 14.12.2015
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