Süddeutsche Zeitung

So wird 2021 im Fünfseenland:Neues Rathaus, alte Bäume

Lesezeit: 5 min

Das Jahr bringt in Herrsching, Berg, Seefeld und Schondorf etliche Bauprojekte. Die Ruhe an den Seen und der Erhalt der Natur soll darüber nicht vergessen werden.

Von SZ-Autoren

Herrsching

Wer im kommende Jahr durch die Gemeinde Herrsching fährt, muss sich auf Tempo 30 einstimmen. Die Gemeinde will überall in ihren Straßen die Geschwindigkeitsreduzierung durchsetzen - im Rahmen ihres Verkehrskonzeptes. Etwa 200 000 Euro sind im Haushalt für die dafür nötigen Schilder und Markierungen vorgesehen. Denn nach den Vorgaben des Landratsamts müssen auch die Parkflächen einzeln vorgezeichnet werden, wie Bürgermeister Christian Schiller sagt: "Wildes Parken wird dann nicht mehr möglich sein", warnt er die Bürger und Ausflügler. Tempo 50 ist dann nur mehr auf den Staatsstraßen erlaubt, die durch den Ort führen.

Neben allen Verkehrsfragen hat sich Herrsching für 2021 einige Planungs- und Realisierungsaufgaben gestellt: So soll im kommenden Jahr der Bau der neuen Obdachlosenunterkunft für 650 000 Euro fertig gestellt sein und das Hurle-Haus, das bisher als Unterkunft diente und das nun baufällig geworden ist, abgerissen werden. Auch das seit längerem geplante Gemeindehaus im Ortsteil Widdersberg soll 2021 realisiert werden. Etwa 1,2 Millionen lässt sich Herrsching den neuen Bürgertreffpunkt dort kosten, der nach den Plänen des Münchner Architekturbüros Sommersberger gebaut wird: "Mit Glück wird es dann auch im kommenden Jahr schon fertig", so der Herrschinger Rathauschef.

Die Gemeinde will zudem die Pläne für ein neues Kinderhaus "Am Fendlbach" weiter vorantreiben. Herrsching besitzt in Nachbarschaft zur Polizei ein etwa 6000 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem der neue Kindergarten für voraussichtlich vier Gruppen mit jeweils 15 bis 20 Kindern entstehen soll. Wie teuer dieses Projekt werden wird, stehe noch nicht fest, sagt Schiller. Die Ausschreibungen für Planer und Architekten seien aber bereits "rausgegangen". Der neue Kindergarten muss bis 2024 fertiggestellt sein. Zudem rechnet Schiller aber auch noch mit einigen Mehrausgaben wegen der Pandemie im kommenden Jahr: "Allein die Gemeinderatssitzungen verschlingen Tausende Euro wegen der Technik, die wir wegen der Corona-Auflagen brauchen."

Berg

Es mag vielleicht ein wenig banal klingen, wenn Bergs Rathauschef Rupert Steigenberger (BG) seine Bürger einmal mehr dazu aufruft, zusammenzuhalten. Doch genau das braucht die Gesellschaft in diesen Zeiten, in denen die Corona-Pandemie die Menschen zur Vereinzelung zwingt. "Die Nerven liegen coronabedingt blank bei den Leuten", hat Steigenberger in den vergangenen Monaten die Erfahrung gemacht. "Aber gemeinsam kommen wir viel besser ans Ziel."

Und das Etappenziel, das sich der Rathauschef für 2021 gesteckt hat, hat natürlich viel mit den Berger Großprojekten zu tun. Allen voran der Rathausneubau am Huberfeld. Die Bagger werden dafür noch nicht anrollen. Aber zum Jahresende muss der Bebauungsplan für das fast 15 Millionen Euro teure Projekt stehen. So sieht es der Vertrag vor, den die Gemeinde mit der Erzbischöflichen Finanzkammer ausgehandelt hat. Auf der nördlichen Hälfte des Geländes baut die Kommune ihr Rathaus, auf der südlichen Hälfte darf die Kirche Wohnungsbau betreiben. Apropos Bagger anrollen: Steigenberger kann sich schon vorstellen, dass sich auf dem daneben liegenden MTV-Gelände heuer einiges tun. "Ich rechne damit, dass da schon mit der Baustelle angefangen wird", sagt er.

Ein weiteres wichtiges Projekt für Berg ist das geplante "Wohnzentrum Osterfeld" zwischen Aufkirchen und Aufhausen. 30 Sozialwohnungen werden dort entstehen. Zwar sind einige Bürger mit der Wahl des Grundstücks nicht einverstanden, aber der in Aufstellung befindliche Bebauungsplan ist mittlerweile satzungsreif, wie Steigenberger erläutert. Alles warte darauf, dass die Entnahme des Geländes aus dem Landschaftsschutz abgeschlossen sei und man vom Landratsamt grünes Licht erhalte, sagt er. Derweil treibt der Verband Wohnen, der Bauherr ist, die Ausführungsplanung voran. Steigenberger schätzt, dass im Frühjahre 2022 mit dem Bau der Wohnanlage begonnen werden kann.

Doch es geht in diesem Jahr nicht nur um Bauvorbereitungen in Berg: Noch sehr gut ist den Bürgern der Touristenansturm auf den See im vergangenen Sommer im Gedächtnis, als Heerscharen von Urlaubern und Ausflüglern die Straßen am See stürmten. Besonders schlimm war es in Leoni und in der Seestraße. In diesem Jahr will man darum die Parkkontrollen verstärken. Die Leuten sollten lieber mit dem Radl kommen oder dem Bus, findet Steigenberger. "Das würde ihnen selbst Stress ersparen."

Was die geplante Bürgerbeteiligung an Entscheidungsprozessen angeht, könnte sich der Rathauschef durchaus vorstellen, damit heuer coronabedingt erst einmal online zu starten.

Seefeld

Die Eichenallee in Seefeld entlang der Staatsstraße 2068 wird gehegt und gepflegt, gehört sie doch zu den schönsten und wertvollsten Alleen Deutschlands. In diesem Jahr wird sie 250 Jahre alt,und das soll gefeiert werden. Für den 13. Juni hat die Gemeinde unter dem Motto "Vielfalt verbindet" ein großes Fest angesetzt. Nach all den coronabedingten Einschränkungen "ist das ein Lichtblick für 2021", sagt Bürgermeister Klaus Kögel (CSU).

Wie es mit dem 147 Jahre alten Krankenhaus weitergeht, steht noch in den Sternen. Ein Neubau muss her, aber wo? Kögel hält sich bedeckt. Mit sieben Standorten sei man ins Rennen gegangen, zwei davon gingen gar nicht. Bei der Entscheidung müssen die Bürger miteinbezogen werden, daran lässt er keinen Zweifel, am liebsten mit einem Ratsbegehren. Zunächst aber müssten die Grundstückseigentümer befragt werden. Kögel ist wichtig, das Thema Klinikneubau "ohne große Verwerfungen und Emotionen ans Ziel zu bringen, wir sind auf einem gutem Weg".

Großes Ärgernis war den drei Anrainergemeinden Seefeld, Inning und Wörthsee im vergangenen Sommer der große Ansturm der Ausflügler auf den Wörthsee. Ein erstes "Seengespräch" hat bereits stattgefunden, das zweite soll bald folgen, sagt Kögel. Er will sich für mehr Fahrradstellplätze an den Badeplätzen einsetzen und "ein Exempel" statuieren: An einem Wochenende sollen Kommunale Verkehrsüberwachung und Polizei schwerpunktmäßig gegen Falschparker vorgehen.

"2021 will ich wissen, was möglich ist an neuem Gewerbe", sagt der Bürgermeister. Nachdem die Fachbehörden die Standorte am Oberfeld in Hechendorf und an der Jahnstraße in Oberalting für geeignet befunden haben, soll die Planung heuer auf den Weg gebracht werden.

Großes Problem in Oberalting ist die Beseitigung des Niederschlagswassers. Kögel: "Da müssen wir handeln."

Schondorf

Wie die Nachbarn in Utting steht die Gemeinde heuer ganz im Zeichen des Wohnbaus im großen Stil. Im Oktober hat der Investor Wüstenrot mit den Arbeiten für 75 Wohneinheiten im ehemaligen Prix-Gelände begonnen, die frei verkäuflichen Immobilien sollen schon im Frühjahr fertiggestellt sein. Schondorf hat sich sechs Reihenmittelhäuser und 17 Wohnungen für die "ortsverbundene Bevölkerung mit besonderem Bedarf" gesichert, die sie deutlich unter Marktpreis verkauft oder vermietet. Alle sind bereits fest vergeben.

Auch in Schondorf sollen die Seeanlagen modernisiert werden. Dazu wird 2021 ein Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgeschrieben, für den auch ein Verkehrs- und Parkkonzept gefordert ist. Fest steht, dass die marode Ufermauer mit Mitteln der Städtebauförderung saniert wird. Doch die weitere Gestaltung der im Jahr 1924 eröffneten Uferpromenade mit Grün- und Kiesflächen, Bänken und Spielplatz wird den Gemeinderat wohl noch lange beschäftigen - zumal Entscheidungen über die Ortsentwicklung in Schondorf besonders viel Zeit beanspruchen.

Immerhin zeichnet sich im neuen Jahr eine Lösung für die umstrittene Güterhalle am Bahnhof ab. Seit im Jahr 2014 ein Bürgerentscheid knapp für den Abriss ausging, liegt das Gebäude im Eigentum der Gemeinde brach - die Beseitigung des Baudenkmals ist nicht möglich. Inzwischen gab es mehrere Kampfabstimmungen zum Thema. Im Dezember aber fand sich endlich eine 9:7-Mehrheit für eine Machbarkeitsstudie über die künftige Verwendung des baulich intakten Lagerschuppens. Weil sich die Gemeinde verpflichtet hat, zunächst Baulücken im Ortsinneren zu schließen, bevor Grundstücke im Außenbereich erschlossen werden, wird die Untersuchung zu 80 Prozent aus Städtebaufördermitteln finanziert. Ein neuer Ansatz ist kürzlich aus den Reihen der Bürger gekommen: Ein Verein will im ehemaligen Lagerhaus Bier brauen. Unter den zehn Ideen, die für das Bürgerbudget 2021 eingereicht wurden, fand die Idee einer Schondorfer Mikrobrauerei bei weitem am meisten Zuspruch.

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Quelle:
SZ vom 05.01.2021 / abec bad csn arm
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