Süddeutsche Zeitung

Jubiläum:Im Höhenflug

Die Wählergruppe PWG stellt seit 60 Jahren die Pöckinger Bürgermeister

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Pöcking

Angefangen hat alles mit einer losen Gruppe von Bürgern, denen die Belange der Gemeinde am Herzen lagen: Im Jahr 1960 gründeten sie die Parteilose Wählergruppe Pöcking (PWG). Seither war die Gruppierung ununterbrochen stärkste politische Kraft in der Gemeinde und stellte stets den Bürgermeister. "Eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf - und Pöcking einen steilen Aufschwung", so formuliert es der Vorsitzende Albert Luppart. In den 60 Jahren könne die PWG mit Stolz auf viel Erreichtes zurückblicken.

Das Jubiläum ist im vergangenen Jahr wegen der Pandemie und der geltenden Hygienevorschriften ausgefallen. Am 17. Juli will es die PWG nun im Bürgerhaus Beccult nachfeiern.

Die Jahrzehnte des Dorfgeschehens unter der PWG waren geprägt von einer umsichtigen Finanz- und Grundstückspolitik. Der erste PWG-Bürgermeister von 1960 bis 1982, Josef Grenzebach, hat dafür gesorgt, dass Pöcking bei der Gebietsreform selbständig bleiben konnte. Er ließ große Baugebiete ausweisen wie am Moritz-von- Schwindt-Weg in Niederpöcking oder die Bürgermeister-Grenzebach-Siedlung an der Nord-Einfahrt von Pöcking. Sein größter Coup war das Einheimischenmodell am Lindenberg. Das Dorf wuchs dadurch auf einen Schlag um rund 1000 Neubürger, die der Garant dafür waren, dass der geplante Zusammenschluss mit der Nachbargemeinde Feldafing hinfällig wurde.

Dass es sich bei dem ausgewiesenen Baugrund ausschließlich um die eigenen Grundstücke des Großbauern handelte, sieht Luppart als Vorteil. "Schon damals waren Grundstücke schwer zu erwerben, weil kein Bauer verkaufen wollte", sagt er. Pöcking profitierte auch davon, dass die rege Bautätigkeit drei Millionen Mark in die Gemeindekasse spülte, sodass die Turnhalle und das Hallenbad gebaut werden konnten. Nach Grenzebachs Tod suchte die PWG einen Nachfolger. Die Gruppierung hatte Glück, dass sich der damalige Zweite Bürgermeister Johann Gilch gerade von der CSU abwandte und für die PWG antrat.

Bei den Kommunalwahlen 1984 war die Gruppierung erneut auf der Suche. Die Wahl fiel auf Konrad Krabler, der in seiner 18-jährigen Amtszeit nicht nur die PWG, sondern auch die Entwicklung des Dorfes am meisten geprägt hat. Sein Verdienst war die Ansiedelung einer Leasing-Gesellschaft, die die Gewerbesteuereinnahmen sprudeln ließ und Pöcking zur reichsten Gemeinde im Landkreis machte. Doch trotz des vielen Geldes war Krablers Sparsamkeit sprichwörtlich. Der Rechnungsprüfungsausschuss entdeckte im Jahr 1985 einige Millionen, von denen keiner etwas gewusst hatte, und sein Ruf als "der Schotte von Pöcking" ging über die Landkreisgrenzen hinaus. Dabei setzte er stets auf gute Zusammenarbeit mit allen Parteien in allen politischen Gremien.

So hält es auch sein Nachfolger Rainer Schnitzler, der die Grundstückspolitik seiner Vorgänger fortsetzt. Das Einheimischenmodell am Ahornweg, das Betreute Wohnen mit Sozialstation, das Schaueranwesen in Possenhofen, e der Erwerb der Schlosswiese und der Ausbau der Kinderbetreuung gehen auf den Rathauschef zurück, der seit 2002 im Amt ist. Auch die Gründung der Stiftung für Pöcking, die das Gemeinwohl in der Gemeinde unterstützt, ist sein Verdienst. Ebenso wie sein Vorgänger war Schnitzler bis zu seiner Wahl nicht politisch tätig, ebenso wie Krabler vermehrte er das Vermögen der Gemeinde. Aktuell jedoch scheint die Glückssträhne zu versiegen. Durch die Greensill-Pleite muss Pöcking um ein Vermögen von fünf Millionen Euro bangen.

Luppart betont: "Das ist kein Thema der PWG, es betrifft alle Fraktionen." Schließlich hätten die Gemeinderatsmitglieder die Geldanlage einstimmig abgesegnet. Die Pleite sei nicht abzusehen gewesen, die Gemeinde habe sich an alle geltenden Auflagen gehalten. "Die PWG will nach wie vor zielstrebig das Wohl der Gemeinde vorantreiben", sagt der Vorsitzende Luppart.

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SZ vom 23.03.2021
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