Süddeutsche Zeitung

Gilching:Kleine Musiker ganz groß

Beim Jugendmusikwettbewerb Fünfseenland zeigen Nachwuchskünstler herausragende Leistungen. 21 Preisträger beweisen im Abschlusskonzert in Gilching ihr virtuoses Geschick

Von Patrizia Steipe

Lächeln und verbeugen, um zu zeigen, dass man sich über den Applaus freut - diesen Ratschlag gab Ann Schneidt vom Kunstforum Gilching den 21 Preisträgern des Jugendmusikwettbewerbs Fünfseenland mit auf den Weg auf die Bühne. Gemeinsam mit Elizabeth Hopkins hatte sie zum dritten Mal zu dem musikalischen Wettbewerb für Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 16 Jahren eingeladen.

Ein wenig aufgeregt waren die kleinen Musiker schon, obwohl sie das Schwierigste, das Vorspiel vor der Jury bestehend aus professionellen Musikern, bereits am Vormittag gemeistert hatten. Der Jugendmusikwettbewerb ist quasi die Fortsetzung der "Klavierolympiade", die seit 2004 vom Kunstforum veranstaltet wurde. "Wir haben aber ein etwas anderes Konzept", erklärte Hopkins. Neben Klavier wurden in diesem Jahr Violine, Cello, Bass, Blockflöte und Klarinette gespielt. Neu war, dass die Kinder von Erwachsenen an einem Instrument begleitet werden konnten. Diese Neuerung hat die Anmeldezahlen gleich verdreifacht. 2020 hatten sich 20 Kinder angemeldet, heuer 62, darunter viele Streicher, freute sich Hopkins. Die 21 Sieger aus den Kategorien Klavier solo, Instrumentalsolo mit oder ohne Klavierbegleitung, sowie Kammermusik mit oder ohne Klavier traten zum Abschluss des Wettbewerbs im Rathaussaal bei einem Preisträgerkonzert auf.

Seinen Auftritt gar nicht erwarten konnte der elfjährige Tommi Wallner. Mit strahlendem Gesicht stürmte er auf die Bühne, spielte mit unglaublicher Fingerfertigkeit den "Mickey Mouse Rag" (Manfred Schmitz) und rannte lachend zurück auf seinen Platz. "Musik ist einfach sein Ding", verriet die Mutter.

Auch wenn es einfach aussieht, ein gelungenes Zusammenspiel ist eine besondere Herausforderung. Das Kunststück gelang den beiden zehnjährigen Mädchen aus Weßling Alaina Kocialkowski (Geige) und Paulina Sontheim (Klavier). Die beiden überzeugten bei ihrem Mozart-Stück nicht nur durch Aufeinanderhören und exakte Einsätze, sie hatten sich sogar extra für den Auftritt die gleichen Frisuren gemacht und gleiche Kleider angezogen. Bei Wettbewerben sind die beiden schon öfter erfolgreich gewesen. Beim Bundeswettbewerb von "Jugend musiziert" haben sie sogar den zweiten Preis geholt. Während der Pandemie hatten die Mädchen Online-Unterricht.

"O Blockflöte" - dieser Ausruf sei bei Lisa Kuchler und Lia Weindl völlig verfehlt, scherzte Ann Schneidt. Denn die beiden Mädchen spielen auf einem "hervorragendem Niveau". Die Arie "Wir winden dir den Jungfernkranz" aus der Oper Freischütz "hört sich nicht besser in der Staatsoper an", lobte Schneidt.

"Musik hat für mich einen Zauber", schwärmte der zehnjährige Finees Giakousitidis, nachdem er für seine virtuose Interpretation des ersten Satzes der Beethovensonate Opus 30, Nr. 3 begeisterten Applaus erhalten hatte. Der siebenjährige Leopold Pfister spielt seit vier Jahren Geige. Bei seinem "Polish Dance" von Edmund Severn gelangen ihm die Sprünge, Doppelgriffe und mehrstimmigen Akkorde und der schwungvolle Bogenstrich mit einer bewundernswerten Leichtigkeit, für die ihn das Publikum mit Bravo-Rufen belohnte.

Die Teilnehmer wurden übrigens nicht nach der Schwierigkeit der Werke benotet, die musikalische Gestaltung, die Technik, Anschlag und Dynamik zählten mehr.

Am Schluss gab es für das Publikum ein modernes Stück. Die 16-jährige Louisa Schneider aus Tutzing hatte es einstudiert, um dem Publikum "etwas anderes" zu präsentieren, verriet die Gymnasiastin, die nach der Schule an der Musikhochschule studieren möchte. Daheim übt sie auf einem Bechstein-Flügel. Nach dem Konzert nutzte sie die Gelegenheit, setzte sich wieder an den Steinway-Konzertflügel und spielte ganz versonnen weiter.

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Quelle:
SZ vom 13.07.2021
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