Süddeutsche Zeitung

Protest am Ammersee:Mummenschanz gegen die Maskenpflicht

Etwa 20 Personen demonstrieren gegen die Mundschutz-Verordnung für die Seeanlagen in Dießen. Passanten reagieren mit Unmut auf die satirische Aktion.

Von Armin Greune

Wer am Wochenende in den Seeanlagen und auf dem Untermüllerplatz unterwegs war oder ein Plätzchen in der Sonne ergattert hatte, wird sich wohl über die dort herrschende Maskenpflicht gewundert haben. Als Samstagnachmittag der Regen nachließ, fanden sich nur vereinzelte Flaneure ein. Und selbst am strahlend schönen Sonntagnachmittag war der Andrang nicht so groß, als dass der wegen der Pandemie gebotene Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden konnte. Noch mehr Erstaunen als die Verfügung des Landratsamtes aber dürfte Sonntagmittag der Auftritt einer Personengruppe hervorgerufen haben, die ihre Maskenpflicht klar übererfüllte: In Ganzkörperkondome aus weißem, halbtransparenten Plastik verpackt kritisierte sie schweigend die Verordnung oder machte sich darüber lustig: "Technokratie", "Ich brauch' Luft zum atmen" und "Vollmaskierung jetzt!" war da zu lesen.

Der etwa 20, vorbildlich verhüllte Köpfe umfassende Flashmob zog durch die Unterführung zum See und über die "Rialto"-Brücke in die Boxler-Anlage. Auf der Wiese am Dampfersteg fanden die Teilnehmer Gelegenheit zum Ausdruckstanz mit ausgebreiteten Armen. Passanten hatten die Möglichkeit, Parolen zu sehen wie "Nichts hinterfragen" oder "Sei wachsam". Nach 20 Minuten war der Spuk vorbei. Als die Polizei zum Tatort kam, traf sie die Protestler bereits wieder in Zivilkleidung an. Dem Hinweis, entweder Mundschutz anzulegen oder zu gehen, seien alle nachgekommen, berichtet Boris Netschajew, Dießens Polizeivize. Weil es keine Belästigungen oder Beeinträchtigungen gegeben habe, sei auch kein Einschreiten nötig gewesen.

Einige Vermummte berichten freilich, sie seien rüde beschimpft worden - ob dafür Empörung über die Aktion oder mangelndes Satireverständnis Ursache war, ist unklar. Die Maskenpflicht hatte das Landratsamt am 21. Oktober verhängt, als der Corona-Warnwert von 50 im Kreis Landsberg überschritten wurde. Auf dessen Nachfrage nach "stark frequentierten Plätzen", für die generell Maskenpflicht gilt, nannte die Gemeinde Dießen Seeanlagen und Untermüllerplatz. "Wir wollen natürlich nichts riskieren", sagt Bürgermeisterin Sandra Perzul.

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Quelle:
SZ vom 27.10.2020
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