Süddeutsche Zeitung

Corona-Auszeit: Die Sportlerin:"Sobald wir wieder dürfen, sind mindestens hundert Prozent gefragt"

Skirennfahrerin Kira Weidle nutzt den Saisonabbruch für Yoga und Spieleabende mit der Familie.

Sie ist Starnbergs Speedqueen, doch die Corona-Pandemie hat auch Skirennfahrerin Kira Weidle ausgebremst. Anstatt auf der Piste ist die 24 Jahre alte Spitzensportlerin zu Hause bei ihrer Familie in Starnberg. Mama, Papa, ihr Bruder und sie zu Hause - "das gab es schon lange nicht mehr", sagt sie am Telefon. Dabei fühle es sich eigentlich ganz gut an, wie die Sportsoldatin erzählt.

Wie geht es Ihnen?

Kira Weidle: Gut. Ich bin zu Hause wie alle anderen auch. Die Saison ist gelaufen, das Weltcup-Finale in Cortina D'Ampezzo wurde gecancelt, ebenso wie die Deutsche Meisterschaft in Garmisch. Die Skigebiete haben geschlossen, man darf nicht raus. Also bin ich daheim.

Was machen Sie so den ganzen Tag?

Solange das noch erlaubt ist, gehe ich alleine joggen oder radeln und bewege mich einfach an der frischen Luft. Zwischendurch kümmere ich mich um Dinge, die während der Saison auf dem Schreibtisch liegen geblieben sind. Und ich mache hier mal klar Schiff.

Sie räumen auf.

Auch. Ein bisschen Fanpost will ich noch beantworten, vielleicht die Steuererklärung machen.

Wie ist es, mal wieder daheim zu sein?

Eigentlich schön. Dass alle da sind, kommt sehr selten vor. Wir haben gleich einen ersten Spieleabend gemacht.

Was wurde gespielt?

Immer erst Kniffel, danach Stadt-Land-Fluss.

Haben sie auch einen Sport-Plan, der erledigt werden muss?

Das Gute ist, dass die Saison vorbei ist. Zeit, um Ruhe zu tanken und Stress zu verdauen. Es gibt keinen Trainingsplan, ich mache nur, worauf ich Lust und Laune habe. Um den Kopf frei zu kriegen. Ich will schon was machen, zu Hause halt. Mal sehen, was da geht. Ich wollte mir schon länger ein kleines Gym aufbauen mit Gewichten, einer Hantelstange. Da bietet sich jetzt eigentlich die Gelegenheit, das mal umzusetzen. Die nächsten zwei Wochen schauen aber in jedem Fall noch entspannt aus.

Der Knoten wollte ja diese Saison nicht so recht platzen.

Der ist schon letztes Jahr geplatzt. Heuer ist es halt stagniert, und im Prinzip habe ich damit auch mein Ziel erreicht, mich unter den Top Ten zu halten. Zwei sechste Plätze und zwei achte Plätze bestätigen das. Es war also nicht alles schlecht, außer den Rennen in Zauchensee und Crans Montana, die mich sehr geärgert haben.

Warum?

In Zauchensee war ich Trainingsschnellste, die Erwartungen an mich waren groß. Auch die, die ich selbst an mich gestellt habe. Ich wollte mich zwingen, diese Leistung im Rennen zu bringen, der Schuss ist aber nach hinten los gegangen. Ich versuche daraus zu lernen, künftig cooler zu bleiben, wenn ich liefern muss und der Druck wächst.

Was nehmen Sie noch mit für die nächste Saison?

Einen guten 13. Platz in der Abfahrts-Gesamtwertung. Ja, es gab keinen Podestplatz, keinen Sieg, aber ich war auch Anfang Februar richtig ausgeschaltet, weil ich die Grippe hatte. Ein Sprichwort sagt, noch oben kommt man schnell. Sich dort zu halten ist eine Herausforderung. Das hab ich in Lake Louise und Bansko gezeigt. An meinen Schwächen werde ich weiter arbeiten und nächstes Jahr noch eine Schippe drauflegen.

Sie sind ein Draußenmensch, der sich viel bewegen will und den Ausgangsbeschränkungen sicher besonders hart treffen. Was raten Sie ihresgleichen?

Es geht ja nur um eine begrenzte Zeit. Mit Home-Workouts kann man viel machen. Vielleicht aber ist es auch ganz gut, das Tempo mal rauszunehmen, Yoga oder eine Meditation auszuprobieren. Sobald wir wieder dürfen, sind dann sowieso mindestens wieder hundert Prozent gefragt.

Wann waren Sie das letzte mal im Schnee?

Zum Saisonabschluss in Garmisch, es war einfach ein Traumtag. Bei einer Skitour habe ich noch einmal das Wetter und den Schnee ausgenutzt.

Und wann soll es mit der Vorbereitung auf Schnee wieder losgehen?

Laut Plan Ende Juli, Anfang August. Wir haben es nicht mehr richtig geschafft, das neue Material richtig durchzutesten. Ich hatte Glück und konnte die neuen Ski zumindest zwei Tage durchfahren. Mehr Zeit wäre gut gewesen, aber da geht es jetzt allen gleich.

Danke Ihnen. Bleiben Sie gesund.

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Quelle:
SZ vom 25.03.2020
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