Süddeutsche Zeitung

Bernried:Teurer Klärschlamm

Abwasserverband muss doppelt so viel für die Entsorgung zahlen

Von Michael Berzl, Bernried

Etwa tausend Tonnen Klärschlamm filtert die Kläranlage in Starnberg jedes Jahr aus dem Abwasser. Neue Vorschriften und strengere Auflagen haben nun zur Folge, dass der Abwasserverband viel mehr Geld ausgeben muss, um diese Reste loszuwerden. Der Preis habe sich auf knapp 112 Euro pro Tonne verdoppelt, berichtete der Betriebsleiter Dirk Lehnberg bei der Verbandsversammlung in Bernried. "Die Preise haben so sehr angezogen, dass wir mittlerweile in Bereichen liegen, die für die Verbrennung verlangt werden", sagte er. Verbandsrat und stellvertretender Landrat Tim Weidner (SPD) sprach in der Versammlung von einem "Entsorgungsnotstand".

Der anfallende Klärschlamm fand lange Zeit vor allem in der Landwirtschaft Verwendung und wurde von den Bauern als Dünger auf den Feldern ausgebracht. Doch das ist nicht mehr in den früher üblichen Größenordnungen der Fall und wird in manchen Gegenden gar nicht mehr praktiziert. "Meines Wissens wird im Landkreis Starnberg gar kein Klärschlamm ausgebracht", sagte der Berger Bürgermeister und Verbandsvorsitzende Rupert Monn. Laut Betriebsleiter Lehnberg landet bundesweit etwa ein Fünftel des in kommunalen Anlagen anfallenden Klärschlamms auf Feldern. Der Großteil werde aber mittlerweile verbrannt.

Vorerst ist die Entsorgung noch gesichert. Der Abwasserverband Starnberg hat seinen Vertrag mit einer Firma in der Oberpfalz verlängert, musste aber die Preise deutlich nach oben anpassen. Bis Ende dieses Jahres soll diese Aufgabe aber neu vergeben werden, um die Klärschlammverwertung für die nächsten zwei bis vier Jahre zu sichern. Je nach Laufzeit wird dabei mit einer Summe von bis zu 1,6 Millionen Euro gerechnet. Die Verbandsversammlung hat dieses Vorgehen einstimmig gebilligt und auch zugestimmt, dass ein Ausschuss über die Auftragsvergabe entscheiden darf.

Gebilligt wurde auch der Haushalt des Verbands für dieses Jahr mit einem Gesamtvolumen von 35 Millionen Euro. Wichtigste Einnahmequelle sind die Gebühren aus den angeschlossenen Haushalten rund um den Starnberger See. Allein für das Schmutzwasser bezahlen sie insgesamt knapp zwölf Millionen Euro. Der Verband hat weiterhin hohe Ausgaben und investiert unter anderem in ein neues Bürogebäude und eine Fahrzeughalle auf dem Gelände der Kläranlage, die zusammen etwa 5,5 Millionen Euro kosten. Die Schulden steigen weiter und belaufen sich nach Angaben des Finanzchefs Andreas Hiel bis zum Jahresende auf etwa 60 Millionen Euro. Doch die Gebühren bleiben erst mal unverändert und liegen bei 3,26 Euro pro Kubikmeter, für Niederschlagswasser bei 99 Cent.

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Quelle:
SZ vom 15.04.2019
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