Süddeutsche Zeitung

Sendling:Mit Parkscheibe gegen Pendler

Damit die Stellplätze am Kletterzentrum wirklich den Sportlern zur Verfügung stehen, gilt künftig ein Limit von vier Stunden

Von Julian Raff, Sendling

Im Konflikt um die geplante Boulderhalle im Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins (DAV) bleiben die Fronten felsenfest verhärtet: Während Planungsreferat und Lokalbaukommission (LBK) Zustimmung zum modifizierten Bauantrag signalisieren, lehnt der Bezirksausschuss (BA) Sendling das Vorhaben weiterhin einstimmig ab. Er stützt sich auf das Nein der Bürgerversammlung von 2019 und sieht trotz eines im Norden und Osten verkleinerten Grundrisses den angrenzenden Grünzug gefährdet. Außerdem bleiben aus Stadtviertel-Perspektive zu viele Verkehrs- und Parkplatzfragen offen.

Das Parkraum-Management, das in Kürze eingeführt wird, weist den vis-à-vis des Kletterzentrums liegenden Parkstreifen an der Thalkirchner Straße als Mischzone aus, für Besucher mit Bezahl-Ticket und Anwohner mit Ausweis. Der BA hätte hier lieber ein Parkverbot mit nächtlicher Freigabe für Anwohner gesehen, was das Planungsreferat zurückweist, da in der Thalkirchner Straße und der südlich anschließenden Pognerstraße einheitlich Mischparken gelten soll.

Irritationen und Proteste hatte ein Anfang August online veröffentlichter und per Flyer im Viertel verteilter Plan ausgelöst, auf dem der Parkplatz des Kletterzentrums und der Bezirkssportanlage irrtümlich vom Lizenzgebiet ausgenommen dargestellt war. Da günstig zur U-Bahn gelegen, wird der Platz oft ganztätig von Einpendlern belegt, die Sportler weichen auf umliegende Straßen aus. Der BA hatte bereits Anfang 2018 gefordert, die Standzeit mit Parkscheibe auf vier Stunden zu begrenzen - genug, selbst für ausdauernde Kletterer, zu kurz für die Pendler.

Wie Thorsten Vogel, Sprecher des Planungsreferates, nun erklärt, werde die Vier-Stunden-Regelung wunschgemäß umgesetzt. Die falsche oder überholte Kartierung sei wohl in der Abstimmung zwischen Planungs- und Kreisverwaltungsreferat durchgerutscht.

Als unregulierte Insel im Lizenzgebiet wäre der Parkplatz vollends "kollabiert", hatte Thomas Huber, Vorsitzender der Spielvereinigung (SpVgg) Thalkirchen, in der BA-Sitzung gesagt. Als "extrem sinnvoll" und "massiv in unserem Interesse" bezeichnet Michael Düchs vom Kletterhallen-Trägerverein das Parkkonzept. Man nehme das Parkplatzproblem im Viertel ernst und miete für die Kletterer unter anderem Stellplätze eines Kleingartenvereins beim nahen Thalkirchner Wertstoffhof an, so Düchs. Außerdem verweist er auf vergrößerte Radl-Parkplätze samt E-Bike-Ladestationen sowie beim Hallenbau selbst auf eine mehr als 20-prozentige Reduzierung der überbauten Grundfläche mit Rücksicht auf Grünzug und Frischluftschneise. Auch die Fußballer der SpVgg hätten Düchs zufolge kaum Nachteile vom Bau. Lediglich für den Abbruch der alten Betonanlage müsse während der Winter-Spielpause eine Zufahrt übers westliche Kleinfeld gelegt werden.

An der Haltung des BA dürfte all dies so wenig ändern wie die Tatsache, dass nun doch ein Zeitlimit am Parkplatz eingeführt wird. Ernst Dill (SPD) trat den Plänen erneut besonders vehement entgegen. Das Gelände befinde sich im Außenbereich und sei nur als Sport-Freifläche vorgesehen. Daher sei es ihm "schleierhaft, warum die LBK das protegiert", erklärte Dill mit Zuspruch aus allen Fraktionen. Bevor die gescholtene Behörde über den Bauantrag entscheidet, könnte sich der Stadtrat einschalten, eventuell in seiner Vollversammlung am 30. September.

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SZ vom 10.09.2020
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