Süddeutsche Zeitung

Permanent-Make-up:Münchnerin verklagt Kosmetikfirma

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Ihre Lippen sind geschwollen und so stark entzündet, dass sich Hautfetzen abrollen: Eine Münchnerin leidet nach einer Permanent-Make-up-Behandlung unter den Folgen. Nun hat sie gegen die Kosmetikfirma geklagt.

Von Ekkehard Müller-Jentsch

Wie gefährlich kann Permanent Make-up sein? Die unter die Haut tätowierte Farbe soll das tägliche Schminken überflüssig machen - doch immer wieder klagen Frauen über massive allergische Reaktionen, die Jahre andauern können. So wie im Fall einer heute 62-jährigen Münchnerin, die sich ihre Lippen nach langer Leidenszeit und vergeblicher Behandlung mit diversen Medikamenten sogar operieren lassen musste. Sie fordert nun 25 000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz von einer Münchner Kosmetikfirma. Am Donnerstag wurde der Fall vor dem Landgericht München I verhandelt.

Die Frau muss einen erschreckenden Anblick geboten habe: Geschwollene und stark entzündet aussehende Lippen, von denen sich Hautfetzen wie Würstchen abrollten. Dazu bildeten sich eitrige Bläschen. Ob sie sich "bei wilden Orgien ein Bomben-Herpes erknutscht" habe, wurde sie gefragt. Ihren sechzigsten Geburtstag mochte die Münchnerin so gar nicht erst feiern.

Knotenartige Verkapselungen

2008 hatte sie sich bei dem Münchner Kosmetikinstitut ein permanentes Lippen-Make-up machen lassen. Ein vorheriger Versuch bei einer anderen Firma war nicht zufriedenstellend ausgefallen - jetzt sollten die Lippen endlich ein wenig üppiger wirken. Das endete schließlich im Desaster, mit vielen Arztbesuchen und nebenwirkungsreichen Medikationen.

Schließlich begutachtete ein Gremium von 30 Ärzten in der Hautklinik rechts der Isar die Patientin. Die durchaus riskante Operation wurde schließlich gewagt: Über die ganze Länge der Oberlippe musste krankes Gewebe entfernt werden. Um die Farbpigmente hatten sich immer wieder entzündungsbedingte, knotenartige Verkapselungen gebildet, sogenannte Granulome.

Michaela Geissler, Anwältin der beklagten Firma, weist die Vorwürfe zurück. Der hier umstrittene Farbstoff, der inzwischen aber nicht mehr benutzt werde, sei in zwei Jahrzehnten rund 1,6 Millionen Mal verwendet worden - ohne Beanstandungen. Alle Produkte der Münchner Firma seien in Tierversuchen getestet und die Farbe auch für empfindliche Haut als verträglich eingestuft worden.

Hohes Allergierisiko

Marion Zech, Anwältin der Klägerin, verweist dagegen darauf, dass von 2010 an eine Augsburger Dermatologin sogar vor dem hohen Allergierisiko der Chemikalie gewarnt habe. Tierversuche hätte hier keine Aussagekraft, meint die Juristin. Verbraucherinnen müssten sich aber darauf verlassen dürfen, dass solch eine Behandlung nicht riskant sei.

Die 12. Zivilkammer wies auf das hohe Prozessrisiko hin, das beide Seiten haben: Es bedürfe aufwendiger Gutachten - trotzdem sei unklar, ob Ursache und Wirkung zweifelsfrei geklärt werden könnten. Beide Seiten baten daraufhin, das Verfahren ruhen zu lassen, um sich vielleicht außergerichtlich zu vergleichen - womöglich gleich im Paket mit weiteren ähnlichen Verfahren.

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SZ vom 29.08.2014/amm
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