Süddeutsche Zeitung

Neuhausen:Mehr Platz für Radler

Erregte Debatte um eigene Spur an der Dachauer Straße

Von Sonja Niesmann, Neuhausen

Es folgt Strittiges, das war schon klar, als Nikolai Lipkowitsch nach der erregten Debatte im August um eine Sperrung der Furt am Rotkreuzplatz in der Septembersitzung des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg einen Antrag der Grünen als "ganz schönen Klopper" ankündigte. An der Dachauer Straße stadteinwärts soll zwischen der Heideck- und der Lothstraße ein durchgehender Radstreifen abmarkiert werden, "vielleicht nächstes Jahr als Pop-up-Projekt". Während ab der Lothstraße weiter Richtung Zentrum der Radweg gut hergerichtet sei, sei er auf dem Abschnitt davor in einem "jämmerlichen und gefährlichen Zustand", nur zirka einen Meter schmal, an manchen Stellen gar nur 60 Zentimeter. Zügig zu radeln und langsamere Radler zu überholen sei kaum möglich.

Etwa 60 ohnehin nicht intensiv genutzte Parkplätze zwischen Funkerstraße und Lazarettstraße, schlagen die Grünen vor, könnten zugunsten eines neuen Radwegs aufgelöst werden. Wolfgang Schwirz (CSU) erinnerte daran, dass das Kreisverwaltungsreferat schon einmal, 2018, die Auflösung dieser Parkplätze als ungeeignet bezeichnet habe. Das gelte wohl weiter, "die Leute wohnen doch immer noch dort". Er klebe nicht an den Parkplätzen, "von mir aus läuft der Radstreifen auf der Straße", entgegnete Lipkowitsch, der den Unterausschuss Verkehr leitet. Jedenfalls sei es "ungerecht", dass Autofahrer vier Spuren, also insgesamt wohl zwölf Meter haben und Radler nur einen Meter.

Die Dachauer Straße sei doch eine Einfahrtsstraße ins Zentrum, wo es sich jetzt schon ständig staue, gab Felix Meyer (FDP) zu bedenken. Seiner Ansicht nach solle der Verkehr dort gebündelt werden, anstatt sich Alternativrouten durch Wohnquartiere zu suchen. Zwischenruf Alexander Ott (Grüne): "Sie ist auch für Radler eine Einfahrtstrecke ins Zentrum." Erwartbar bei diesem Thema, griff auch Laurenz Kiefer (CSU) heftig in die Speichen. Die Formulierung der Grünen von der "gerechten Verteilung des Verkehrsraumes" nannte er eine "Lüge": "Sagen Sie doch einfach: Wir wollen alles tun für die Radler!" Dabei habe fast jeder Münchner ein Auto, so Kiefer. Gegen die Stimmen von CSU, FDP und Freien Wählern setzte eine große Mehrheit den Antrag durch.

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Quelle:
SZ vom 16.10.2020
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