Süddeutsche Zeitung

Jubiläumsjahr:So gedenkt München Olympia 1972

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Die olympischen Sommerspiele 1972 haben die Stadt geprägt, wie kein anderes Großereignis der Nachkriegszeit. Ein Überblick, was geplant ist.

Von Lea Kramer

Plötzlich ist er da, der blaue Punkt. Es ist eine Markierung, die Naturschützer ungern sehen. Sie muss allerdings nichts Schlechtes verheißen: In diesem Fall bedeutet sie, dass der Baum von einem Gutachter geprüft werden muss, so sagt es das Münchner Baureferat. Warum diese Markierung überhaupt bei einer Bürgerversammlung im Norden der Stadt zur Sprache gekommen ist, hat einen Grund: Der Baum ist einer mit Geschichte und Symbolkraft. Er gehört zu einer Gruppe von Nordamerikanischen Zuckerahornen, die als Gastgeschenk der kanadischen Olympiamannschaft 1972 mit Gehölzen anderer Teilnehmerstaaten nach München kam.

Dieser Baum ist nicht das einzige Olympia-Erbe, das tief verwurzelt im Stadtbild ist. 50 Jahre nach den olympischen Spielen werden einige der Hinterlassenschaften für das Jubiläum 2022 aufpoliert, neue Feiern initiiert und manche Altlast lieber nicht angerührt.

Olympisches Dorf

Als sichtbarstes Zeugnis von Olympia 1972 haben sich das Olympische Dorf, die Pressestadt und der Olympiapark ins Münchner Stadtbild eingefügt. Daher ist es wenig überraschend, dass dort ein Großteil der Festivitäten stattfinden wird. Für den Mai haben Vereine, Institutionen sowie Bewohnerinnen und Bewohner des Olympiadorfs eine Festwoche geplant. Zwischen dem 13. und 22. Mai soll es dort Ausstellungen, Konzerte, Sport, Flohmarkt, Vorträge und Gesprächsrunden mit "Ureinwohnern" des Dorfes sowie besondere Aktionen für Kinder geben.

Abschließend ist ein kulinarisches Fest vorgesehen. Dieses hätte nach dem Wunsch der Viertelbewohner als Street-Food-Festival auf dem Gelände des alten Olympia-Busbahnhofes stattfinden sollen. Das Dach der Haltestelle ist allerdings schon lange so marode, dass es saniert werden muss. Derzeit ist der Bereich aus Sicherheitsgründen gesperrt, auch zum 50-jährigen Bestehen werden es die Stadtwerke, denen das Grundstück gehört, nicht mehr schaffen, es denkmalgerecht wieder herzustellen. Für die Feierlichkeiten soll das Gelände dennoch zugänglich gemacht werden. Das Museum of Urban and Contemporary Art (Muca) ist von den Stadtwerken engagiert worden, dort ein Kunstkonzept mit "kontextueller Bezugnahme auf die Olympischen Spiele 1972" zu realisieren.

Olympiapark

Das große städtische Jubiläumsfestival des Spiels, des Sports und der Kunst beginnt in der ersten Juliwoche zwischen dem 1. und 9. Juli. Eröffnet werden soll das Fest mit einer Parade von der Münchner Freiheit aus hin zum Hans-Jochen-Vogel-Platz (ehemals Coubertinplatz). Eine Eröffnungsfeier ist im Theatron vorgesehen. Sie soll weniger eine Gala als vielmehr ein buntes Spektakel werden. Das Kulturreferat hatte im vergangenen Jahr internationale Künstlerinnen und Künstler aufgerufen, sich mit ihren Werken bei der Stadt zu bewerben. Ausgewählte Kulturschaffende werden 2022 ihre Installationen im Stadtraum präsentieren.

Das offizielle Jahresprogramm will die Stadt am 13. Januar vorstellen. Fest steht aber, dass das Konzept der Olympischen Spielstraßen von 1972 wieder aufleben soll. Angedacht sind interdisziplinäre künstlerische Aktionen, Workshops und Spiele rund um den Olympiasee.

European Championships

Der sportliche Höhepunkt der Feierlichkeiten ist für den August vorgesehen und die größte Sportveranstaltung, die im Olympiapark seit den Olympischen Spielen ausgetragen worden ist. Bei den "European Championships Munich 2022" werden zwischen dem 11. und 21. August 4700 Athleten in neun Sportarten - von Leichtathletik bis Mountainbike - um die europäischen Titel kämpfen. Der Großteil der Wettkämpfe findet in den historischen Sportstätten statt, nur das Bahnradfahren wird auf dem Messegelände ausgetragen, Klettern und Beachvolleyball auf dem Königsplatz.

Erinnern

Der Opfer des terroristischen Anschlags auf die israelische Mannschaft wird am 5. September mit einer vom Freistaat organisierten Feier gedacht. Beim Überfall auf die Unterkunft der israelischen Olympiamannschaft an der Connollystraße töten palästinensische Terroristen am 5. September 1972 zwei Athleten und bringen neun weitere Sportler in ihre Gewalt. In der darauffolgenden Nacht scheitert ein Befreiungsversuch auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Alle israelischen Geiseln und ein deutscher Polizist werden von den Terroristen ermordet.

Das Jüdische Museum hat zudem vor, in diversen Veranstaltungen über das Jahr hinweg an die Opfer des Anschlags zu erinnern. Andere Münchner Museen, wie Stadtmuseum, Architekturmuseum oder die Rathausgalerie haben ebenfalls Schauen mit Olympiabezug geplant. So präsentiert beispielsweise Die Neue Sammlung ab Juli Objekte und Grafiken, die zeigen, wie sich Innovationsgeist und technischer Fortschritt im Design für die Olympischen Spiele spiegeln.

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