Süddeutsche Zeitung

Ökoesel in Neuhausen:"Bioprodukte sollen nicht der Elite vorbehalten sein"

Der kleine Laden Ökoesel finanziert sich über solidarische Mitgliedsbeiträge, das macht die Produkte erschwinglich. Und gute Rezepte gibt es kostenlos dazu - zum Beispiel für Rote-Beete-Knödel.

Von Lea Arbinger

Mitgliedsbeiträge zahlt fast jeder - ob für das Fitnessstudio, für den Streaming-Dienst oder für einen Verein. Aber eine Mitgliedschaft in einem Bioladen? Beim Ökoesel geht das. Das kleine Geschäft an der Helene-Weber-Allee in Neuhausen ist ein Mitgliederladen, der den Fokus auf soziale, regionale und ökologische Produkte legt. Der Name komme von Drahtesel, erklärt der 30-jährige Inhaber Hannes Schmidt. "Am Anfang haben wir die Bestellungen nur mit dem Rad ausgeliefert."

Eine Mitgliedschaft kostet zwischen 18,50 und 100 Euro pro Monat. Der Preis ist abhängig davon, wie viele Menschen im Haushalt wohnen und ob man den Normalbeitrag oder einen teureren Solidarbeitrag bezahlt. Die Beiträge sollen die Kosten für den Laden decken, aber zugleich niemanden durch zu hohe Preise ausschließen. "Wer sich das nicht leisten kann, bezahlt nach Selbsteinschätzung", sagt Schmidt. "Wir haben Mitglieder, die zum Beispiel nur einen symbolischen Euro bezahlen." Andere, die mehr zahlen können, gleichen das dann solidarisch aus.

Der Ökoesel finanziert sich nicht über die Produkte, sondern über die Beiträge, erklärt Schmidt. Ohne die Mitglieder gäbe es den Laden also nicht. Dank ihrer Beiträge können sie im Ökoesel rund 30 Prozent günstiger einkaufen als in einem normalen Supermarkt. "Wir sehen die Einkäufer primär nicht als Kunden", sagt Schmidt. "Ob jemand mehr oder weniger kauft, hat für uns keinen finanziellen Effekt." Zwar würden Obst und Gemüse 15 Prozent über dem Einkaufspreis verkauft (alle anderen Produkte sind zehn Prozent teurer als im Einkauf), damit werde aber lediglich Schwund und Verderb ausgeglichen. Auch Nicht-Mitglieder können dort einkaufen, sie müssen allerdings 30 Prozent mehr zahlen. Vier Mal in der Woche ist der Bioladen geöffnet: Montag, Mittwoch und Freitag hat der Ökoesel von zehn bis 19 Uhr auf, samstags von zehn bis 15 Uhr.

Der Ökoesel soll mehr Menschen die Möglichkeit bieten, sich eine gute und biologische Ernährung leisten zu können. Die Produkte sind so regional wie möglich und fair gehandelt, die Eier beispielsweise stammen vom Seepointerhof aus Tiefenbach im Landkreis Landshut. "Bioprodukte sollen nicht der Elite vorbehalten sein", meint Schmidt. "Wenn wir eine nachhaltige Welt wollen, muss sich jeder bio ernähren können." Aktuell hat der Bioladen knapp 300 Mitglieder.

Das Frischwarensortiment wechselt jeden Versorgungstag. Es gibt bei Weitem nicht alles zu kaufen, aber von Obst bis Müsli über Aufstriche und Waschmittel kann man dort finden, was man für den täglichen Gebrauch benötigt. Aus den Lebensmitteln lassen sich gesunde Gerichte zaubern, die saisonal und regional sind. Zum Beispiel Rote-Beete-Knödel.

Rote-Beete-Knödel

Zutaten für vier Personen: 400 Gramm Semmelwürfel oder Knödelbrot, 200 Gramm gekochte und geraspelte Rote Beete, 50 Gramm geriebener Parmesan und zusätzlich etwas Parmesan zum Garnieren, 100 Gramm Butter, eine oder zwei gehackte Zwiebeln, drei Eier, ein halber Bund gehackte Petersilie, Salz und Pfeffer.

Zubereitung: Butter auf niedriger Hitze in einer Pfanne schmelzen lassen und darin die Zwiebeln glasig dünsten. Die Semmelwürfel mit der Roten Beete, dem Parmesan und der Petersilie vermengen und kurz ziehen lassen. Dann die glasigen Zwiebeln mit der Butter hinzufügen, gut vermengen und das Ganze erneut ziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann Eier hinzufügen und der Masse 20 Minuten Ruhe gönnen. Nun kommt die Teigprobe: Ist er zu fest, hilft ein weiteres Ei. Ist er zu flüssig, weiteres Knödelbrot hinzugeben. Knödel formen und 20 Minuten im Dampfgarer oder zehn bis 15 Minuten in kochendem Wasser garen. Mit Parmesan bestreuen und servieren.

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SZ vom 30.11.2020/van
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