Süddeutsche Zeitung

Kunstareal:Neue Pinakothek bleibt länger geschlossen

  • Die Neue Pinakothek bleibt wegen der Sanierung über das Jahr 2025 hinaus geschlossen.
  • Der Haushaltsausschuss hat 220 Millionen für die kommenden Baumaßnahmen genehmigt - ein Vielfaches von den einst geschätzten 80 Millionen Euro.
  • Immerhin: Es darf leichte Veränderungen an der Architektur geben, weil sich der Freistaat endlich mit der Rechteinhaberin geeinigt hat.

Es gibt gute und schlechte Nachrichten im Zusammenhang mit der Generalsanierung der Neuen Pinakothek. Die gute: Die geschätzten Baukosten von 220 Millionen Euro wurden vom Landtag genehmigt. Und: Es darf leichte Veränderungen an der Architektur geben, weil sich der Freistaat endlich mit der Rechteinhaberin geeinigt hat. Die schlechte Nachricht: Die Neue Pinakothek wird länger geschlossen bleiben als angekündigt, über das Jahr 2025 hinaus.

Um den Betrieb in dem Kunstmuseum baulich und technisch aufrechtzuerhalten, waren in den vergangenen Jahren bereits elf Millionen Euro investiert worden. Vor zwei Wochen hat der Haushaltsausschuss nun 220 Millionen für die kommenden Baumaßnahmen genehmigt - ein Vielfaches von den einst geschätzten 80 Millionen Euro. Allerdings kann der Freistaat auch erst jetzt nach Ausweichquartieren suchen für die Verwaltung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (alle Pinakotheken, die Sammlung Schack, das Museum Brandhorst und die Filialgalerien in ganz Bayern), die Restaurierungswerkstätten und Labors des Doerner Instituts, die Bibliothek mit Tausenden von Büchern sowie nach weiteren Depots. Für alle Auslagerungs- und Mietkosten werden vom Bauamt 35 Millionen Euro veranschlagt.

Die Bauzeit wird - sollte es keine bösen Überraschungen geben - mit fünfeinhalb Jahren veranschlagt. Museum und Verwaltungstrakt müssten also jetzt schon komplett geräumt sein (was noch lange nicht der Fall ist), die Handwerker morgen anrücken, damit der Zeitplan eingehalten werden könnte. Weder Baudirektor Eberhard Schmid noch Bernhard Maaz, der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, bestätigen im Gespräch mit der SZ den verspäteten Wiedereröffnungstermin. Aber keiner von ihnen widerspricht. Denn rein rechnerisch steht fest: Die Neue Pinakothek kann nicht zu Beginn des Jahres 2025 fertig saniert sein. Und wenn man Pech hat, nicht einmal bis 2026, sondern es könnte 2027 werden.

Maaz hatte seit Amtsantritt davon gesprochen, dass die Neue Pinakothek zwar nicht unter Denkmalschutz stehe, man das Gebäude aber "denkmalwürdig" behandeln wolle. Deshalb wurde seit Langem mit Alexandra von Branca verhandelt. Sie wahrt die Rechte an der Architektur ihres Vaters, Alexander von Branca, der das im Frühjahr 1981 eröffnete Museum erbaut hat. Nun hat der Freistaat einen Vertrag geschlossen, um den hinter den Kulissen lange gerungen wurde.

Danach dürfen die gewünschten Eingriffe in die Fassade vorgenommen werden, um einen behindertengerechten Zugang zu schaffen. Dieser wird in einem Glaskubus am Rande der Haupttreppe entstehen und die Drehtüren werden einem Schiebeelement weichen. Außerdem kann das Foyer etwas verändert und dadurch besucherfreundlicher gestaltet werden, der Museumsshop soll Tageslicht erhalten. Zudem wird ein offener Innenhof, der bislang nicht zugänglich war, überdacht und für Besucher zugänglich gemacht. Das Museum wünscht sich dort einen Bereich für Empfänge und die Kunstvermittlung. Generaldirektor Maaz betont, dass dies die einzige Stelle gewesen sei, wo sich das Museum neben den "notwendigen Anpassungen an eine zeitgemäße Erschließung" auch etwas mehr Raum und mehr "Aufenthaltsqualität" gewünscht habe.

Gute 200 Quadratmeter bekommt das Museum dadurch für die Kunstvermittlung dazu. Die Ausstellungsfläche bleibt gleich. Die Depotfläche wird sich im Zuge der energetischen Sanierung etwas verringern, aber dank der modernen Technik werde man rund 160 Tonnen CO₂ einsparen, wie Schmid stolz vorrechnet.

Im Gegenzug, so heißt es in der Vereinbarung, "sichert der Freistaat einen denkmalgerechten Umgang mit dem Gebäude zu". Das bedeutet, die Anmutung außen wie innen bleibt erhalten. Weiterhin werden die markanten Rundbogenfenster, Schlusssteine, Erker und Freitreppen, die Raumfolge mit den Rampen sowie die Naturmaterialien die von-Branca-Architektur akzentuieren. Insgesamt ging es bei den langwierigen Verhandlungen um nur ein Prozent Veränderung an der Architektur. Aber ein sehr gewichtiges Prozent.

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Quelle:
SZ vom 24.07.2019/vewo
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