Süddeutsche Zeitung

Meine Woche:Das Gefühl in den Fingern

Ina Hugo ist Handtherapeutin in der München-Klinik Harlaching

Von Jessie Morgenroth

Angefangen hat sie als Ergotherapeutin. Und hat dabei immer wieder Menschen getroffen mit Beschwerden an den Händen. Daher entschied sich Ina Hugo () für eine Weiterbildung an der Akademie für Handrehabilitation. "Handtherapie kann nicht jeder, es ist ein sehr spezielles Gebiet", begründet sie den Entschluss für die zusätzliche Ausbildung.

Die 41-Jährige arbeitet in der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der München-Klinik Harlaching und kümmert sich hauptsächlich um Handpatienten im ambulanten Bereich. Langfristig sollen auch Kassenpatienten dieses Therapieangebot wahrnehmen können. Derzeit bilden sich zudem Ina Hugos Ergotherapie-Kolleginnen Manuela Dietrich und Lena Pfannkuche auf demselben Gebiet weiter, von neun in der Klinik aktiven Ergotherapeutinnen werden dann drei zertifizierte Handtherapeutinnen sein.

Die Therapie geht Hand in Hand mit chirurgischen Behandlungen einher, so könne - wenn nötig - zum Beispiel unmittelbar nach einer Operation mit der Handtherapie begonnen werden, erklärt Ina Hugo. "Wir sind von Anfang an bei den Patienten", sagt sie, dies schaffe eine Vertrauensbasis. Auch den unkomplizierten Austausch mit dem Oberarzt und Leiter der Abteilung Handchirurgie schätzt die Therapeutin, die auch immer wieder auf die Station der neurologischen Frühreha wechselt, sehr.

Zu ihren Patientinnen und Patienten gehören Menschen, die zum Beispiel wegen einer durchtrennten Sehne, einem durchtrennten Nerv oder einem Knochenbruch eine spezielle Therapie benötigen. Manche Patienten landen auch wegen einer Arthrose oder weil sie chronische Schmerzen haben, bei Ina Hugo. Je nach Art der Verletzung gibt es verschiedene Therapieformen - etwa Wärmebehandlungen mit Paraffinbädern oder Alltags- und Funktionstraining.

Seit Kurzem steht zu Behandlungszwecken auch ein neues Biometrics-Gerät in der Harlachinger Klinik zur Verfügung. An dessen Bildschirm werden für Übungszwecke verschiedene Situationen simuliert, etwa wie man einen Schlüssel dreht. Das Gerät misst Parameter wie Kraft, Bewegungsumfang und Widerstand des Patienten. Diese Behandlungsform komme bei den Nutzern sehr gut an, "für viele Patienten ist aber auch die klassische Therapie wichtig", erklärt Ina Hugo, schon alleine das Berührtwerden spielt eine Rolle. Einen echten Therapeuten könne eine Maschine niemals ersetzen. Denn das Fingerspitzengefühl einer Therapeutin sei eben doch sehr gefragt.

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Quelle:
SZ vom 13.09.2021
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