Süddeutsche Zeitung

Maxvorstadt:Streit um Club-Öffnungen

Lokalpolitiker wollen Feiernde von der Straße wegbringen

Von Ilona Gerdom, Maxvorstadt

Seit dem 1. Juli kann man in Restaurants drinnen wie draußen bis ein Uhr nachts sitzen. Dem Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt ist das ein Dorn im Auge, das Gremium würde diese Maßnahme gerne rückgängig machen. Im Gegenzug fordert es die Öffnung der "Nacht-Gastronomie". Diese von Mitgliedern der Grünen und SPD gemeinsam erarbeiteten Vorschläge trafen in der jüngsten Sitzung aber nicht bei allen auf Zustimmung.

"Ich muss mich schon sehr wundern über diesen Antrag", kommentierte zum Beispiel Gerhard Mittag (CSU). Nach Monaten der Pandemie habe man offensichtlich nichts gelernt. Derzeit könne man in anderen Ländern beobachten, wie die Infektionszahlen mit Eröffnung von Clubs stiegen. Nicht nur der Gesundheit wegen, sondern gerade zugunsten von Einzelhandel und Gastronomie müsse man die Zahlen weiter unten halten: "Die brauchen jede Woche, damit sie überleben." Auch aus den eigenen, grünen Reihen gab es Kritik. Richard Weiss schloss sich dem Vorredner an. Er bezeichnete das Vorhaben als "fast fahrlässige Körperverletzung".

BA-Sprecherin Svenja Jarchow-Pongratz (Grüne) verteidigte den Antrag, sie verwies vor allem auf die Anwohnerinnen und Anwohner. Ihnen müsse man die Nachtruhe zumindest unter der Woche ermöglichen, gerade vor dem Hintergrund der Partys an der Türkenstraße: Das sei man den Anwohnern schuldig. Stattdessen müsse man Alternativen schaffen, beispielsweise mit Pilotversuchen in Form von Cluböffnungen. Dass man damit die Bürgerinnen und Bürger der Maxvorstadt tatsächlich entlasten könnte, bezweifelte Mittag: "Glaubt denn wirklich jemand, dass die Leute aus der Türkenstraße in den Club gehen, wo sie das Zehnfache zahlen müssen?"

Letztlich fand sich in der Sitzung trotz aller Einwände eine Mehrheit für den Antrag. Dass der Beschluss nach Prüfung durch das zuständige Referat umgesetzt wird, ist fraglich. Solche Entscheidungen liegen eigentlich im Zuständigkeitsbereich des Freistaats Bayern.

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Quelle:
SZ vom 16.07.2021
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