Süddeutsche Zeitung

Ludwigsvorstadt/Schwanthalerhöhe:Kultur hoch zwei

Aktive aus mehreren Stadtbezirken haben sich für das Projekt "Kunst im Quadrat" zusammengetan. Sie organisieren ein vielfältiges Programm, das den Künstlern Einnahmen und den Besuchern Sommergefühle verschaffen soll

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Schwanthalerhöhe

Unter den vielen Kulturprojekten, die in diesem Sommer coronabedingt Plätze, Parks und Straßen der Stadt verwandeln sollen, ragt eines auf der Theresienwiese heraus: "Kunst im Quadrat" (KiQ) nennt sich das Konzept, das von den anliegenden Kulturwerkstätten und -zentren - der Glockenbachwerkstatt (Ludwigvorstadt/Altstadt), dem Köşk (Schwanthalerhöhe) und dem noch nicht eröffneten Stadtteilkulturzentrum Luise (Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt und Sendling) - initiiert wurde. Seit fünf Wochen arbeitet ein übergreifendes Team daran, vor drei Wochen hat die Stadt die Genehmigung erteilt, auch die Finanzierung ist geklärt. Förderer sind in erster Linie die angrenzenden Stadtviertel. Die drei Bezirksausschüsse haben jeweils 10 000 Euro in den Fördertopf gesteckt. Damit soll vor allem die Gage von Künstlern und Bands bezahlt werden, die bei Kunst im Quadrat von 1. bis 16. August auftreten.

"Wir können damit den Künstlern, die seit Monaten auf dem Trockenen sitzen, eine Bühne bieten", sagt Festivalleiter Matthias Weinzierl von der Glockenbachwerkstatt. Unterstützung komme auch von der Verwaltung, weitere Mittel aus verschiedenen städtischen Töpfen. Zum Beispiel wird das Festival so ausgestattet, dass man sich im Rollstuhl barrierefrei bewegen kann; das Kulturreferat habe technische Ausrüstung zu guten Konditionen angeboten, sagt Weinzierl.

16 Tage Programm gilt es zu füllen. Derzeit feilen Weinzierl, sein Kollege aus der Glockenbachwerkstatt Andreas Alt, Andrea Huber vom Köşk und Clara Holzheimer, die Leiterin der Luise, noch am Programm. Vormittags sind Werkstätten für Kinder und Jugendliche geplant, eine Noise-Werkstatt soll es geben, ebenso eine Keramik-Werkstatt. Von 16 Uhr an soll das Gelände für alle geöffnet werden; in der Regel beginnt um 18 Uhr das Programm mit Livemusik, Filmen oder auch Diskussionsveranstaltungen. Bunt und vielfältig soll es sein, musikalisch soll "ein weiter Bogen" gespannt werden von der Express Brass Band hin zu syrischem Dub, Hip-Hop, Klassik, Elektro oder Jodeln. Die Musiker seien fast ausschließlich aus den Stadtvierteln. Zwölfjährige würden ebenso mitwirken wie "solide Rentner", sagt Matthias Weinzierl. Sonntags solle es auch mal eine Matinee mit einem klassischen Blasorchester geben, dafür macht man früher auf.

Das Gelände, welches rechts unterhalb der Bavaria neben der Corona-Teststation für KiQ abgesteckt wird, ist 60 auf 60 Meter groß. Drei Bühnen in unterschiedlicher Größe werden dort platziert, Besucher nehmen sich am Eingang ein Quadrat oder einen (vergrößerten) Stuhl, mit dem sie sich - allein oder in kleiner Gruppe - ihren Platz zwischen den Bühnen suchen. "Das ist wie im Freibad, wenn man seine Decke auslegt", sagt Matthias Weinzierl. Man könne die Position verändern, doch seine Sitzfläche habe man immer dabei. Tanzen sei noch nicht erlaubt. Bis zu 200 Besucher sind zugelassen. Auch Initiativen sollen sich auf den 3000 Quadratmetern vorstellen, "Black Lives Matter" beispielsweise, Die Vielen, der Verein Seebrücke. Sonnenschirme stelle man zur Verfügung, die Glockenbachwerkstatt kümmere sich um die Getränke, das Bellevue-di-Monaco-Café aus der Müllerstraße ums Catering. Auch Bellevue di Monaco ist Kooperationspartner. Die Verpflegung falle coronabedingt eher unkompliziert aus. "Da holt man sich eher ein Brotzeitpackerl fürs Picknick."

Auch Performance-Künstler haben sich angekündigt. Es solle Schlag auf Schlag gehen zwischen den Bühnen, ein bisschen unerwartbar solle es schon sein, sagt Weinzierl. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen und werden zum Abschluss unter den Künstlern verteilt.

Kunst im Quadrat findet von 1. bis 16. August auf der Theresienwiese statt, der Eintritt ist frei. Auf der Homepage kunstimquadratmuenchen.de kann man sich für die Vormittag-Workshops anmelden.

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Quelle:
SZ vom 28.07.2020
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