Süddeutsche Zeitung

Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Neues Netz gegen Tauben

Vogelfreunde fürchten um Tiere im Hauptbahnhof

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Münchner Taubenfreundinnen und -freunde haben wieder ein sehr aufregendes Wochenende erlebt. Gegen Ende der vergangenen Woche war im Hauptbahnhof ein großes neues Netz aufgehängt worden. Von unten war nicht zu sehen, ob Tauben, die hinter dem Netz waren, die Möglichkeit hatten, herauszufliegen. Mehrere Tierfreunde hielten daher im Bahnhofsgebäude Wache, lauschten, ob Jungtiere fiepen, hielten Ausschau, ob größere Tiere herausflogen. Das Netz sei stark gespannt, man höre, wie sie dagegen flatterten, sagte Monika Woelk vom Verein Wildtierschutz. Die Temperaturen sei hoch, die Tauben hätten seit zwei Tagen kein Wasser bekommen. "Sehr viel länger überleben die Tauben nicht." Sie versuchten die Feuerwehr und die Bundespolizei zu involvieren, doch diese hätten aktuell keine Lösung gesehen. Die Tiere müssten befreit, die Nester herausgeholt werden, zumindest müssten sie Wasser und Futter bekommen. "Das ist Tierquälerei", sagt Woelk, die am Sonntagnachmittag mit einer Mitstreiterin dann auch für zwei Jahre Hausverbot von einem Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn bekommen haben soll. Sie soll die Tauben gefüttert haben, was Woelk bestreitet.

Anne Schweder, die bei der Taubenhilfe München engagiert ist, beobachtete ebenfalls, dass die Tauben seit zwei Tagen ihre Plätze nicht verlassen haben. "Die Jungtiere leben offenbar nicht mehr. Gestern haben sie noch gefiept", sagte sie. Die Bahn weigere sich, mit ihnen zu reden. Im Herbst hatte die Deutsche Bahn unangekündigt den Zugang zum Taubenschlag auf dem Hauptbahnhofdach zugemacht. Seitdem konnten die Tauben nicht mehr nach dem sogenannten Augsburger Modell, eine Strategie gegen Taubenplagen, versorgt werden. In den Taubenschlägen bekommen sie Futter, gleichzeitig werden ihre Eier ausgetauscht. Viele Tiere verendeten nach der Vogelhaus-Schließung, Tauben verharren am Ort.

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Quelle:
SZ vom 26.07.2021
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