Süddeutsche Zeitung

Unterhaching:Zum Feierabendbier in die Parkbucht

Mit einer Aktion machen die Grünen darauf aufmerksam, wie viel Platz Autos benötigen

Stellplätze müssen mindestens 2,50 Meter breit und fünf Meter lang sein und 1,80 Meter Platz nach oben haben. So schreibt es die Satzung der Gemeinde Unterhaching vor, die zudem regelt, wie viel Platz für Autos zur Verfügung gestellt werden muss. Zu viel finden die Grünen, zumal - schaut man sich im Ort um - bei der zunehmenden Fahrzeugdichte der Eindruck aufkommt, fast ganz Unterhaching sei ein riesiger Parkplatz. Die Ortsgruppe der Partei hat daher am frühen Freitagabend den internationalen Parking Day zum Anlass genommen, einmal zwei Parkplätze an der Hauptstraße nahe dem Bahnhof für etwas anders zu nutzen als zum Abstellen von Autos. Etwa 30 Leute, vorübergehend sogar 50, nahmen das Angebot an, auf Liegestühlen ein Feierabend Bier zu genießen, Karten zu spielen und zu ratschen.

Der Parking Day geht auf eine Idee aus San Francisco zurück, wo 2005 eine Gruppe von Künstlern und Designern zeigen wollte, was man mit dem Platz alles anfangen kann, wenn keine Autos dort stehen. Seitdem wird dieser Tag jährlich begangen und weltweit wird jeweils am dritten Freitag im September öffentlicher Straßenraum kurzfristig umgewidmet und in eine temporäre grüne Oase meist mit Gastronomie und Sitzmöglichkeiten inmitten der Stadt umgestaltet. So soll demonstriert werden, wie viel Raum von Autos beansprucht wird und wie eine alternative Nutzung aussehen könnte.

"Die Leute fanden die Aktion gut", resümierte der Vorstandssprecher der Unterhachinger Grünen, Stefan König, nach gut zwei Stunden, als trotz frischer Temperaturen noch immer die Stühle zwischen den Pflanzen, die das gegenüberliegend Blumenhaus zur Begrünung zur Verfügung gestellt hatte, besetzt waren. Nur ein einziger Autofahrer, der jemanden vom Bahnhof abholen wollte und keinen Parkplatz gefunden hatte, habe sich aufgeregt, berichtet König. Auch hatte eine Anwohnerin die Polizei gerufen, weil sie nicht glauben wollte, dass eine solche Aktion genehmigt wurde. Doch Claudia Köhler, Landtagsabgeordnete und Vorstandssprecherin des Grünen-Ortsverbands, hatte neben kleinen Wahlkampfgeschenken und Bienenhonig aus dem Krautgarten vorsichtshalber auch das Genehmigungsschreiben der Gemeinde im Gepäck.

Zwei Stunden vor dem Unterhachinger Parking Day hatten die Grünen auf dem Rathausplatz für Klimaschutz demonstriert. Anlässlich des globalen Klimastreiks riefen sie dort den "Klimanotstand" aus, um für das Thema zu sensibilisieren und auf einen Antrag aufmerksam zu machen, den sie in den Gemeinderat eingebracht haben. Darin fordern sie, ab sofort die Auswirkungen auf Klima, Umwelt und Artenschutz bei allen Entscheidungen in der Gemeinde zu berücksichtigen. Die Grünen wollen, dass für sämtliche Beschlussvorlagen die besten Möglichkeiten für Klima-, Umwelt- und Artenschutz dargestellt und anhand der bestmöglichen Lösung bewertet werden.

"Es müssen jetzt alle handeln", mahnt Claudia Köhler. Es brauche große Würfe in allen Bereichen und die Gemeinde müsse dabei als Impulsgeber vorangehen. Zu konkreten kommunalen Maßnahmen zählen die Grünen unter anderem einen Wärmeplan für einen klimaneutralen Gebäudebestand, den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, die Förderung des Radverkehrs und die Schaffung von Grünflächen.

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Quelle:
SZ vom 23.09.2019
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