Süddeutsche Zeitung

Unterhaching:Glasfaser für Stumpfwiese und Grünau

Die Telekom will dicht besiedelte Teile der Gemeinde mit schnellem Internet versorgen

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Im kommenden Jahr will die Telekom in Unterhaching im großen Stil Glasfaserkabel verlegen. Geplant ist eine Versorgung der Stumpfwiese und des Ortsteils Grünau bis hin zur Ottobrunner Straße. Insgesamt sollen 1350 Liegenschaften und damit 6400 Haushalte die Möglichkeit bekommen, mit einem Anschluss an das neue Netz einen wesentlich schnelleren Internetzugang zu erhalten, als das bislang möglich ist. Die Vertreter der Telekom versprachen in der Sitzung des Digital-, Innovations- und Mobilitätsausschusses am Mittwoch Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit, also tausend Megabit.

"Alle möchten mehr Bandbreite, gerade jetzt in Zeiten von Homeschooling und Home-Office", sagte Florian Goldhofer von Telekom Deutschland. In 60 Kommunen in Deutschland will der Konzern 2021 die benötigten Kabel unter die Erde bringen und gleich auch noch bis in die Häuser hineinlegen. FTTH nennt sich dieses Angebot, das für "fibre to the home" steht, weil die begehrte Glasfaser eben nicht irgendwo in der Straße endet sondern direkt in die Zimmer führen, in denen sie benötigt werden oder wenigstens in den Keller der Immobilie. 1,8 Millionen Kunden nutzen diese Technologie deutschlandweit bereits, und im kommenden Jahr könnten halb Unterhaching sowie noch einige Taufkirchner dazukommen.

Die Telekom hat sich diese Gebiete ausgesucht, da sie in den dicht besiedelten Bereichen viele Anschlussverträge abschließen kann. Zudem befindet sich das Unternehmen für das große Unterhachinger Gewerbegebiet am Grünwalder Weg in einer Vorvermarktung. Das heißt: Wenn sich dort 30 Prozent der Geschäftsleute ebenfalls für eine Breitbandversorgung interessieren, könnte es etwas werden mit dem Glasfaserausbau in naher Zukunft. "Wir sind froh, dass wir diesen eigenwirtschaftlichen Ausbau mit einem der Bewerber jetzt machen können", sagte Rathaussprecher und Wirtschaftsförderer Simon Hötzl. Zumal die Telekom ihr Netz auch Mitbewerbern zur Verfügung stellen muss.

Zurücklehnen und warten bis die Leute aus Bonn die Kabel in den Unterhachinger Untergrund gebracht haben, können sich die Rathausmitarbeiter nicht. "Wir müssen zwar wenig kommunales Geld dafür in die Hand nehmen", sagte Hötzl, "Arbeit haben wir damit trotzdem." Gerade würden die Standorte für die restlichen 14 von 29 Verteilerstationen in der Grünau geprüft. Dann sei vor allem auch die Abteilung Tiefbau gefordert, wenn es ums Aufgraben der Gehsteige und Straßen geht und vor allem auch darum, alles wieder ordentlich zuzumachen. Bis Ende 2021 will die Telekom das alles erledigt haben. Sie verspricht auch, dabei flott zu arbeiten: "Wir graben morgens auf und machen abends wieder zu."

Dass man zunächst die Stumpfwiese mit Glasfaser versorgen will, liegt auch daran, dass Anfang der Nullerjahre hier zwar die damals neueste Technologie verbaut wurde, diese mittlerweile aber so veraltet ist, "dass der Leidensdruck groß ist", wie Hötzl weiß. Dass nun doch ein relativ großes Gebiet erschlossen werden soll, sei nicht von Anfang an geplant gewesen, sondern habe sich im Laufe der Gespräche zwischen Gemeinde und Unternehmen entwickelt. Es soll mit diesem Ausbau das Interesse der Telekom an Unterhaching auch noch nicht beendet sein. Mehrfach betonten die Gemeinderäte in der Sitzung, keine "Zweiklassengesellschaft" haben zu wollen. Es soll also weiter gehen. Laut Hötzl werden bereits Gespräche über den Fasanenpark geführt.

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Quelle:
SZ vom 20.11.2020
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