Süddeutsche Zeitung

Roboter programmieren:Jugendliche Konstrukteure

Die Absolventen des Robotik-Wahlkurses am Gymnasium Ottobrunn mischen in der "First Lego League" mit. Die Schüler wollen sich mit ihren Erfindungen für das Weltfinale der Besten qualifizieren

Leise summen die Motoren des kleinen Roboters, während der Greifarm sich bewegt und einen Stift über einen leeren Streifen Pappe führt. Buchstabe für Buchstabe bringt die Maschine so zu Papier, bis schließlich der gesamte Schriftzug zu lesen ist: 10 Jahre Robotik am Gymnasium Ottobrunn. Stolz blickt Maximilian auf das Ergebnis. Der Elfjährige hat den gesamten Code, nach dem der Roboter seinen Arm bewegt, selbst programmiert. "Ich wollte schon immer Robotik machen, aber in meiner Grundschule gab es das noch nicht."

Am Ottobrunner Gymnasium haben sich die Wahlkurse mittlerweile etabliert. Angefangen hat alles im Sommer 2009 mit zwei Robotern, eine Spende der Firma EADS. 36 Schüler wollten damals teilnehmen. Mathematiklehrerin Gabriele Eggers übernahm von Beginn an gemeinsam mit ihrer Kollegin Barbara Knopp die Betreuung. "Mein Sohn hat zu der Zeit in einem Robotiklabor promoviert. Ich habe mir gedacht, das könnten wir auch an der Schule anbieten", erzählt Eggers. Sie sei schon immer technisch interessiert gewesen, habe sich nicht nur als Kind, sondern auch als Mutter gern mit Lego beschäftigt. Diese Erfahrungen kommen ihr bei der Betreuung der Robotik-Kurse zugute, denn die Maschinen bestehen aus Lego-Bauteilen. Im Laufe der Jahre konnte die Schule ihren Bestand auf 30 Roboter erweitern. "Wir bauen das Angebot kontinuierlich aus", sagt Eggers. Heuer besuchen 94 Schüler von der fünften bis zur zwölften Klasse die Kurse, aufgeteilt in Anfänger-, Fortgeschrittenen- und Wettbewerbsgruppen. Die Jugendlichen erhalten zunächst eine Einführung in die Robotik und vertiefen ihre Kenntnisse in der Programmierung. In mehreren Projektphasen entwickeln sie eigene Ideen. So hat etwa Philip einen "Robogator" gebaut. Die Maschine bewegt sich wie ein kleines Tier über den Boden, kann laufen und den Kopf drehen. "Eigentlich ist das Programmieren ganz simpel. Frau Eggers hat es gut erklärt, wir mussten die Schritte nur zusammensetzen", sagt der Elfjährige. Den Robotik-Kurs möchte er auch im nächsten Jahr wieder besuchen.

Und vielleicht kann Philip eines Tages seine Fähigkeiten bei einem der Wettbewerbe zeigen, an denen die Teams des Ottobrunner Gymnasiums regelmäßig teilnehmen. "Als wir das erste Mal bei einem Wettbewerb gestartet sind, haben die Schüler gerade einmal seit einem halben Jahr mit Robotern gearbeitet. Trotzdem haben sie gute Platzierungen erreicht", erinnert sich Birgit Gregor, die einen Anfängerkurs für Mädchen betreut. Das Hauptaugenmerk liegt meist auf der "First Lego League", einem weltweiten Wettbewerb für Forschung und Robotik. "Anfangs dachten wir, das sei ja viel zu schwer", sagt Gregor. Doch schon bei der ersten Teilnahme schafften es die Schüler unter die besten zehn Teams. Den größten Erfolg erreichte eine Gruppe aus Ottobrunn im Jahr 2015: Sie erkämpften sich einen Startplatz beim Weltfinale in Johannesburg. Die Reise nach Südafrika war für alle Beteiligten ein einmaliges Erlebnis, wie die Betreuerinnen erzählen. Beim Wettbewerb erreichte das Team den dritten Platz. "Ein sensationeller Erfolg", sagt Knopp.

Auch heuer nehmen zwei Teams des Gymnasiums an der "First Lego League" teil. Beide konnten sich für das Europafinale qualifizieren, das Ende März in Bregenz stattfindet. Im Halbfinale belegten die Schüler des Teams "GO Robot" mit ihrem Projekt den ersten Platz in der Kategorie Forschung, einer von vier Bereichen des Wettbewerbs. Annika, Elen, Kartik, Pascal, Julius, Leon und Jiehua haben eine Brille für Astronauten entwickelt, die den fehlenden Tag-Nacht-Rhythmus im Weltall ausgleicht. LED-Lampen imitieren das natürliche Tageslicht und passen sich an den individuellen Tagesablauf jedes Benutzers an. Die Software haben die Schüler selbst entwickelt, der Prototyp der Brille wurde per 3D-Drucker angefertigt.

"Es ist ein gutes Gefühl, unter den besten Teams Europas zu sein", sagt Elen. "Daran sieht man, dass sich die Arbeit gelohnt hat", fügt Leon hinzu. Denn die Vorbereitung auf einen Wettbewerb sei intensiv, sagt Jiehua. Fast jeden Tag trifft sich das Team, teilweise arbeiten die Schüler bis spätabends an den Robotern. Spaß haben sie trotzdem, auch auf das anstehende Europafinale freuen sich die Jugendlichen. Das Ziel ist klar: "Ins Weltfinale zu kommen, wäre fantastisch", sagt Annika.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4341817
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 23.02.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.