Süddeutsche Zeitung

Denkmalschutz:Grünwald soll Sep-Ruf-Haus kaufen

Die Grünen fordern die Gemeinde auf, einen Abriss des Hauses des bekannten Architekten unbedingt zu verhindern. Sie sprechen von einem "grausamen Schildbürgerstreich".

Von Wolfgang Krause, Grünwald

Die Gemeinde Grünwald soll das von dem bekannten Architekten Sep Ruf gebaute Haus an der Hugo-Junkers-Straße 1 unbedingt retten und es dazu womöglich sogar kaufen. Einen entsprechenden Antrag hat die Grünen-Fraktion im Gemeinderat jetzt gestellt. "Der drohende Abriss, dem eine verantwortungsbewusste Baupolitik und Bauverwaltung Widerstand leisten sollte, wäre ein nie wieder gut zu machendes Sakrileg", schreibt Fraktionsvorsitzende Ingrid Reinhart. "In Zeiten, da überall Bausubstanz aus stadtbildprägenden und identifikatorischen Gründen gesichert wird, wäre ein Abriss und Neubau ein grausamer Schildbürgerstreich."

Die Gemeinde hat laut Reinhart inzwischen eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, die baurechtlichen Möglichkeiten zur Erhaltung der Bestandsituation zu eruieren sowie zu recherchieren, welche schnell wirksamen Möglichkeiten es gibt, das Grundstück in die Denkmalliste aufzunehmen und dadurch den Bestand zu sichern. Die Grünen fordern das Rathaus darüber hinaus dazu auf, durch eine Veränderungssperre oder andere Maßnahmen zu verhindern, dass der Bauwerber das Gebäude abreißt und so vollendete Tatsachen schafft. "Die Gemeinde muss hier sehr schnell reagieren um diese Gefahr abzuwenden", heißt es in dem Antrag.

Außerdem soll die Gemeinde beim Landesdenkmalrat beantragen, das Haus analog zu den neun baugleichen, die bereits unter Denkmalschutz stehen, als Baudenkmal zu schützen und für die dann insgesamt zehn Häuser Ensembleschutz auszusprechen. Schließlich soll die Gemeinde auch den Kauf der Immobilie in Betracht ziehen und mit dem jetzigen Besitzer oder dem Investor darüber Gespräche führen.

Der Münchner Sep Ruf (1908-1082) gilt als einer der bedeutendsten Architekten der Nachkriegszeit in Deutschland. Die Siedlung mit zehn Häusern in Grünwald entstand allerdings bereits Anfang der Dreißigerjahre für die leitenden Mitarbeiter der Münchner Hugo-Junkers-Werke. Ein Investor möchte das einzige nicht unter Denkmalschutz stehende Haus abreißen und durch ein Wohn- und Bürogebäude mit Tiefgarage ersetzen und hat deshalb einen Antrag auf Vorbescheid gestellt. Der Bauausschuss hat die Entscheidung darüber vergangene Woche vertagt, das Thema soll Mitte März wieder auf die Tagesordnung kommen.

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