Süddeutsche Zeitung

Brunnthal:Mit Zigarette und Bier

Der Brunnthaler Christian Schleich denkt 48 Jahre zurück

Als Christian Schleich 1972 in Brunnthal in den Gemeinderat eingezogen ist, war er ein junger Mann von 27 Jahren. Jetzt erreicht man den 75-Jährigen am Handy während eines Spaziergangs mit dem acht Monate alten Enkel. "Es ist eine Freude, wenn man sie so heranwachsen sieht", sagt der stolze Großvater, der seinen anderen, drei Jahre alten Enkel sogar manchmal auf dem Traktor mitnimmt. 48 Jahre war der Mann, der in Kirchstockach einen Schafzuchtbetrieb führt, Mitglied des Gemeinderats. Die letzten zwölf Jahre war er Dritter Bürgermeister.

Eben erst wurde dem Parteifreien gemeinsam mit Ernst Portenlänger, der sogar schon 1966 für die SPD in den Gemeinderat gewählt wurde und der jetzt auch ausscheidet, die Ehrenbürgerwürde zuerkannt. Schleich sagt, er habe oft zu Portenlänger rübergeschaut, wie der abgestimmt habe. Wenn sie sich einig gewesen seien, habe er sich bestärkt gefühlt. Das Parteibuch sei da Nebensache gewesen. Als sich Schleich und Portenlänger 1972 erstmals im Gemeinderat begegneten, wurde dort noch geraucht, es gab eine halbe Bier auf dem Tisch und dafür keine Sitzungsunterlagen. Heute sei die Vorbereitung mit dem iPad dagegen schon aufwendig, sagt Schleich, der erwogen hatte, die 50 Jahre im Gemeinderat voll zu machen. Dann trat der Mann, dem zuletzt etwas die von ihm so geschätzte Harmonie im Gemeinderat fehlte, doch nicht mehr an. Er habe viel erreicht, sagt er, der Erhalt der bäuerlichen Struktur sei in Brunnthal gelungen und Gewerbe doch angesiedelt worden. Nun wird er zu Hause gebraucht: wenn nicht gerade im Stall, dann für die Enkelkinder.

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SZ vom 29.04.2020 / belo
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