Süddeutsche Zeitung

Kooperation mit Fußballverband:Spielen und spenden

Die Aktion Knochenmarkspende wirbt bei Sportevents für ihr Anliegen

Von Tobias Mayr

"Los geht's Burschen", ruft der Stadionsprecher der Gebrüder Apfelbeck Halle in Milbertshofen in das Mikrofon, und sofort stürmen die F-Jugend Mannschaften vom ESV München und FC Bayern München auf das Spielfeld. An diesem Samstag geht es ums Finale: Der Bayerische Fußballverband (BFV) kürt die besten Fußballteams bei den Münchner Stadtmeisterschaften.

Doch nicht nur die Jugendmannschaften von FC Bayern und ESV hoffen auf ein gutes Ergebnis, auch das Team von Manuela Ortmann. Seit zehn Uhr morgens steht sie für die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) in der Halle, um Stammzellenspender anzuwerben. Es geht ihr um den Kampf gegen Leukämie. Alle 45 Minuten wird die tödliche Blutkrankheit in Deutschland diagnostiziert. In neun von zehn Fällen kann die Krankheit durch eine Stammzellentransplantation geheilt werden, weil ein geeigneter Spender bereit steht. Für jeden zehnten Fall fehlt derzeit ein solcher Spender.

Darum will Ortmann die Gäste des Turniers dazu bringen, sich in die weltweite Spenderdatei eintragen zu lassen. "Die Registrierung ist wirklich einfach", sagt sie. Erst werden persönliche Daten erfasst, dann erhält der potenzielle Spender zwei Wattestäbchen. "Damit muss man nur ein bisschen an der Schleimhaut der Wange rubbeln", erklärt Ortmann. Aus den Mundschleimhautzellen lassen sich Gewebemerkmale ermitteln, die zwischen Spender und Patient identisch sein müssen. Die Merkmale meldet die AKB anonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender-Register in Ulm. Von dort werden sie an die weltweite Spenderdatei weitergegeben.

Behandelnde Ärzte können global auf den Datenpool zugreifen. "Sitzt ein geeigneter Spender in Bayern, nehmen wir Kontakt mit ihm auf und prüfen, ob es zu einer Spende kommen kann", so Ortmann. Auch die Spende sei keine Hexerei. Mit einem Medikament werde die Stammzellenproduktion angeregt, sodass die Zellen vom Knochenmark in die Blutbahn des Spenders übergehen. Von dort können sie in den meisten Fällen aus dem Blut entnommen werden. "In drei bis vier Stunden ist alles vorbei", sagt Ortmann. Man könne damit rechnen, dass etwa eine Person aus Tausend irgendwann als Spender in Frage komme. Erst kürzlich konnte die AKB ihren viertausendsten Spender vermitteln.

In der Milbertshofener Turnhalle haben sich derweil 30 Personen registrieren lassen, bis zum Ende der Veranstaltung, bei der die Jungs des FC Bayern Stadtmeister werden, werden es 52. Die Suche nach neuen Spendern ist für die AKB auch ein Kampf gegen die Zeit. Jedes Jahr scheiden rund tausend potenzielle Spender altersbedingt aus. Die Kooperation mit dem BFV sei daher eine große Chance, durch die man in ganz Bayern werben könne. Allein im Januar ist die AKB bei neun Bezirksturnieren im ganzen Freistaat mit dabei.

Ins Rollen gebracht hat die Kooperation zwischen AKB und BFV ein ganz junger Fußballfan, der an diesem Tag nicht im Rampenlicht stehen möchte. Dominik Stier, sieben Jahre alt, litt 2015 unter einer schweren Erkrankung des Knochenmarks. Zum Glück konnte im Januar 2017 endlich ein Stammzellenspender für ihn gefunden und der Ausbruch von Leukämie verhindert werden. Während der Spendersuche organisierte Familie Stier, allesamt Fans des TSV 1860 München, eine Typisierungsaktion bei einem Benefizfußballspiel. Bei diesem einen Spiel sollte es nicht bleiben. Dem BFV gefiel das Projekt und seit Ende Dezember ist die AKB bei allen großen Turnieren dabei. Dass Dominik Stier nun das Gesicht der Aktion ist, gefällt dem Siebenjährigen nicht so recht. "Er möchte einfach nur selbst auf dem Rasen kicken und, wenn alles gut läuft, beim nächsten Spiel des TSV 1860 München zum ersten Mal im Stadion mitfiebern", erzählt Vater Bastian Stier.

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SZ vom 08.01.2018
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