Süddeutsche Zeitung

Isarvorstadt:200 warme Mahlzeiten täglich

Die Antonius-Küche bekommt 160 000 Euro vom Erzbistum, die Essensausgabe ist damit vorerst gesichert

Von Lea Hruschka, Isarvorstadt

Drei Elektro-Öfen, drei Kühlschränke und ein Kaffeekocher stehen seit Dezember vergangenen Jahres in der Kirche St. Anton - und können dort noch bis mindestens Ende dieses Jahres bleiben. Denn die Erzdiözese München und Freising unterstützt die Antonius-Küche an der Kapuzinerstraße 38 mit weiteren 160 000 Euro und sichert damit das Fortbestehens der Essensausgabe. Bereits den Start des Projekts, das die Caritas sowie die Pfarrei St. Anton betreuen, hat das Bistum mit 120 000 Euro finanziert. Caritas-Projektleiterin Yvonne Möller hat damals mit zwei ehrenamtlichen Helfern und etwa 40 Essen pro Tag begonnen. Inzwischen verteilen rund 30 Freiwillige durchschnittlich 200 warme Mahlzeiten täglich. "Es hat sich eine Art Familie gebildet", erzählt Möller. Unter diesen Stammgästen sind viele Rentner und Migranten. "Wir haben ein breites Spektrum an Nationalitäten." Unter den Frauen seien die Auswirkungen der Pandemie besonders zu spüren. Zuerst aus dem Job, dann aus der Beziehung geflogen, seien einige am Ende auf der Straße gelandet. "Es sind viele Einzelschicksale."

In der Kirche St. Anton wird den Betroffenen täglich von 11 bis 14 Uhr mit einer warmen Mahlzeit geholfen. Sie können sich dort aber auch austauschen und Beratung finden. "Wir setzen uns etwas abseits, in Richtung Altar", erklärt Möller. Dort fragt sie, wie sie den Einzelnen unterstützen kann. Kürzlich habe sie zum Beispiel drei jungen Frauen Regenumhänge gekauft. "Für uns ist das vielleicht eine Kleinigkeit, aber sie waren wahnsinnig glücklich." Möller und ihr Team helfen außerdem beim Ausfüllen von Formularen, zeigen Wege zur finanziellen Unterstützung oder hören einfach nur zu. "Das ist das Wichtigste: ein offenes Ohr zu haben." Ihr Angebot ist entscheidend angesichts der Lücken, die in der Stadt entstanden sind: Der Foodtruck der Korbinian-Küche, der bis Mitte Juli am Hauptbahnhof Essen verteilt hat, ist derzeit noch auf der Suche nach einem neuen Standort. Auch die Essensausgabe der Pfarrei St. Anna im Lehel ist aktuell geschlossen. Deshalb kommen nun Wohnungslose aus ganz München an die Kapuzinerstraße 38, wo sie noch mindestens vier Monate lang Essen von der Antonius-Küche erhalten.

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SZ vom 24.08.2021
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