Süddeutsche Zeitung

Puchheim:Premiere nach der Pandemie

Der Circus Alfons William öffnet an diesem Donnerstag seine Manege. Hinter ihm liegt ein halbes Jahr ohne Auftritte, durch das auch Landwirte dem Familienbetrieb geholfen haben

Von Nadine Schrödl

PuchheimAn der Eichenauer Straße auf Höhe des Äckerwegs in Puchheim-Ort ist schon von weitem das gelb-blaue Zelt zu sehen, über dem Fahnen im Wind wehen. Der "Circus Alfons William" hat dort sein Lager aufgeschlagen. Und nun darf er auch seine Manege wieder öffnen: Der Wanderzirkus lädt an diesem Donnerstag um 19 Uhr zur Premierenvorstellung ein.

Durch die Coronazeit sei man vor allem durch die Unterstützung aus dem Landkreis gekommen, heißt es in dem Familienbetrieb. Nachdem der Zirkus zunächst ein halbes Jahr auf dem Maisacher Volksfestplatz gestrandet war, zog er nach Puchheim weiter. In Maisach hatte der Bürgermeister keine Platzmiete verlangt, nur Wasser und Strom mussten bezahlt werden. Das Heu für ihre 43 Tiere stellten Landwirte kostenlos zur Verfügung. "Es war viel Hilfsbereitschaft da, mit der wir es durch die Zeit geschafft haben. Vielen ist es auch wichtig, dass der Zirkus nicht stirbt", sagt Marion William, Frau des Zirkusdirektors Alfons William-Köllner. Zwischenzeitlich hat der Zirkus eine Tierschau mit Futtertüten angeboten, um die fehlenden Einnahmen zu einem kleinen Teil zu decken. Um dem Landkreis etwas zurückzugeben, wollen sie nun ihre ersten Vorstellungen dem Fürstenfeldbrucker Publikum präsentiert und alle, die den Zirkus unterstützt haben, dazu einladen. Bis zum 19. Juni findet täglich um 16 Uhr eine Vorstellung statt, freitags und samstags gibt es eine zusätzliche Vorstellung jeweils um 19 Uhr. Am Sonntag, 20. Juni, um 11 Uhr öffnen sie die Manege ein letztes Mal in Puchheim. Die Plätze haben sie von 800 auf 150 Plätze reduziert, um den nötigen Abstand zu gewährleisten. Auch muss an der Kasse ein aktueller Corona-Test oder der Beleg einer vollständigen Impfung oder Genesung vorgelegt werden.

Der Wanderzirkus kommt viel herum, auch in Baden-Württemberg und Österreich. "Aber unser Herz liegt in Bayern", sagt Marion William. Auch zu Fürstenfeldbruck haben sie mittlerweile eine enge Bindung. Während die Manege geschlossen bleiben musste, hat die Zirkusfamilie Zuwachs bekommen und nun drei gebürtige Fürstenfeldbrucker unter sich. Auf die Frage, wo sie sich zuhause fühlen, antwortet William: "Daheim ist man dort, wo Zelt und Wagen stehen."

Die freie Zeit, in der sie nicht auftreten durften, haben sie genutzt, um das neue Programm und die Kostüme zu gestalten. Jetzt sei es auch finanziell wichtig, wieder auftreten zu können. Die Proben seien nicht immer einfach gewesen und hätten zum Teil unterbrochen werden müssen. Da das Zelt in Maisach nicht aufgebaut werden konnte, fiel das Training der Luftnummern ganz weg. Alle seien ein bisschen aus der Übung gekommen, beim Zeltaufbau ebenso wie bei der Artistik. Eine Clown-Nummer, in der normalerweise das Publikum mit einbezogen wird, kann derzeit nicht stattfinden.

Trotzdem überwiegt die Vorfreude: "Wir sind alle sehr aufgeregt, dass es wieder losgeht", sagt William. Sie hofft auf große Resonanz bei den ersten Vorstellungen nach so langer Pause. "Die Leute sind ausgehungert und wollen endlich wieder etwas unternehmen."

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Quelle:
SZ vom 10.06.2021
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