Süddeutsche Zeitung

Eichenau:Nachteile für Frauen

Grünen-Landesvorsitzende spricht über Folgen der Pandemie

Von Elisabeth Deml, Eichenau

Die Corona-Pandemie verstärkt die Nöte und Sorgen von Frauen. Die Grünen-Landesvorsitzende Eva Lettenbauer möchte deshalb erreichen, dass Frauen entlastet werden. Sie fordert eine konkrete Corona-Strategie, einen Regelbetrieb in Schulen und Kitas mit ausreichender Schutzausrüstung, eine gerechte Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit in Familien sowie anerkennende Gehälter für Frauen. "Ein maßgeblicher Teil der systemrelevanten Berufe hat einen Frauenanteil von über 70 Prozent", sagte Lettenbauer zu Beginn ihres Vortrags mit dem Titel: "Frauen jetzt stärken - Fortschritt statt Rückschritt", den sie während eines digitalen Treffens des Grünen-Ortsverbands Eichenau hielt.

In der Pandemie mache sich eine "Re-Traditionalisierung der Rollen in Familien" besonders bemerkbar, sagte sie. Die Sorgearbeit werde vorwiegend auf Frauen verlagert und diese dadurch gezwungen, Home-Office und Kinderbetreuung zu vereinen. In Zeiten des Homeschoolings eine riesige Belastung für die Mütter. Eine Entlastung würde die Wiederaufnahme des Regelbetriebs in Schulen und Kitas darstellen. Hierfür fordert Lettenbauer eine "vernünftige Teststrategie für Schulen" und schlägt mehrmals stattfindende wöchentliche Schnelltests vor, die einen sicheren Aufenthalt gewährleisten sollen. "Außerdem solle es endlich selbstverständlich werden, dass auch Männer die Kinderbetreuung übernehmen und in Elternzeit gehen. Nicht nur Frauen stellen ein Ausfallrisiko dar."

Ein weiteres Problem ist laut Lettenbauer die durch die Pandemie zunehmende häusliche Gewalt. Eine Studie der Technischen Universität München zeige auf, dass rund drei Prozent der Frauen in Deutschland während der ersten strengen Kontaktbeschränkungen im Frühjahr, Opfer von häuslicher Gewalt wurden. Waren die Frauen in Quarantäne oder hatten die Familien finanzielle Sorgen, lagen die Zahlen deutlich höher. In 6,5 Prozent der Fälle wurden Kinder gewalttätig bestraft. "Oftmals bekommen diese Frauen nicht die Möglichkeit, sich an Fachberatungsstellen zu wenden. Sie befinden sich schließlich mit dem Täter in einem Raum", sagte Lettenbauer.

Doch auch über die Krise hinaus müsse etwas passieren. Frauenquoten für Führungspositionen und Paritätsgesetze müssten in die Tat umgesetzt werden. Ein unterrepräsentierter Frauenanteil in der Politik könne dazu führen, dass "Frauen im Zweifel vergessen würden". Dazu müssten ökonomische Disparitäten zwischen Männern und Frauen beseitigt werden, forderte die Grünen-Landtagsabgeordnete. Falls diese noch stärker hervortreten sollten, "müssen wir endlich das Gender Budgeting umsetzen", so Lettenbauer. Der Begriff "Gender Budgeting" beschreibt die Etablierung eines geschlechtergerechten Haushaltsplans, um die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern. Lettenbauer machte deutlich, dass neben ökologischer Themen auch sozialpolitische auf der Agenda der Grünen stehen. Ihr Ziel ist es, "gemeinsam den Weg in eine gute Zukunft für alle zu gehen".

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SZ vom 04.03.2021
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